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Die faschistischen Ortsnamen (Toponomastik)

Von: SSB - Online Team
Montag, 15. März 2010

Als nach dem 1. Weltkrieg mit dem Friedensvertrag von St. Germain zwischen der Republik Österreich und den alliierten und assoziierten Mächten am 10.09.1919 das alte Tirol zerrissen und Südtirol gegen den erklärten Willen der angestammten Bevölkerung zu Italien geschlagen worden ist, wurde unter der Herrschaft des Faschismus das ganze Land mit einem "Firnis" der Italianität überzogen (=italienische Gemeinde-, Fraktions- und Weilernamen; italienische Flur-, Gelände-, Hof-, Alm- und Schutzhüttennamen), um damit den Anspruch Italiens auf Südtirol und somit dessen Annexion vor aller Welt zu rechtfertigen.

Unter dem faschistischen Regime wurden mit königlichem Dekret vom 28.03.1923, Nr. 800, die italienischen Namen, die auf die Gebrüder Ferruccio und Ettore Tolomei, hauptsächlich aber auf Letzteren zurückgehen, eingeführt. Keine Zeitung, kein Fremdenführer und keine Ansichtskarte durften die historisch gewachsenen rätoromanischen und deutschen Namen enthalten (bis zum Jahre 1918 können nur 29 italienische Ortsnamen nachgewiesen werden).

Am 10. Juli 1940 wurde mit einem Dekret Mussolinis den über 8.000 italienischen Orts- und Flurnamen amtliche Bedeutung zuerkannt (veröffentlicht in der Gazetta Ufficiale vom 26. Juli 1940). In dem 176 Seiten umfassenden Verzeichnis hatten Ettore Tolomei und seine Mitarbeiter zum Teil mit groben Fehlern in Rechtschreibung und Etymologie sowie auch mit falschen Vokabeln auf künstliche Art und ohne Berücksichtigung der geschichtlichen und volkskundlichen Werte die Südtiroler Orts- und Flurnamen ins Italienische umgewandelt. Die so erstellten Bezeichnungen wurden unter anderem auch in die Landkarten des italienischen militärgeographischen Institutes eingetragen, wo sie als offizielle Orts- und Flurnamen aufscheinen. Die historisch gewachsenen deutschen und ladinischen Namen haben keine Rechtsgültigkeit, sie sind nur stillschweigend geduldet.

Man kann somit im Bereich Toponomastik mit Fug und Recht sagen: In Südtirol lebt der Faschismus nach wie vor weiter und wird vor allem von den Rechtsparteien (Unitalia und PDL) mit allen Mitteln verteidigt, und dies über 60 Jahre nach dem Untergang des Faschismus und des Nationalsozialismus. In einer Zeit, in der man dabei ist, Europa in den verschiedenen Bereichen zu festigen, auszubauen, zu stärken und den Rechtsradikalismus und Fremdenhaß wirksam zu bekämpfen sowie Reste des Nationalsozialismus und Faschismus aufzuspüren und zu beseitigen.

Die gesamte Tiroler Volksgruppe südlich des Brenners, ja jeder Europäer des 21. Jahrhunderts, muß enttäuscht und entrüstet sein, wenn er sieht, daß dieses faschistische Namengut als einziges, ohne die historisch gewachsenen Namen, in den Navigationskarten für Omnibusse, Lastwagen und demnächst auch für Personenkraftwagen sowie in den geographischen Karten von weltweit führenden Softwareherstellern (z.B. für Routenplaner und Reiseführer) enthalten ist bzw. sein wird. Auch auf den Karten, die man im Internet findet, sucht man die historischen Namen meist vergebens.

Hier werden die Richtlinien der UN mißachtet, die im Art. 10 der Charta der Rechte der indigenen (eingeborenen) Völker lauten: "Die indigenen Völker haben das Recht, ihre eigenen Sprachen, Schreibsysteme und Literaturen wieder aufleben zu lassen, zu gebrauchen, zu entwickeln, zu fördern und kommenden Generationen zu übermitteln sowie Gemeinschaften, Orte und Personen mit ihren eigenen Namen zu bezeichnen und diese Namen aufrechtzuerhalten."

Der Südtiroler Schützenbund ruft daher alle Verantwortungsträger und Demokraten auf, alles daranzusetzen, dieses faschistische Unrecht zu beseitigen und die Identität des Tiroler Landes südlich des Brenners und seiner angestammten Bevölkerung wieder herzustellen.

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Selbstbestimmung

Kein Staat der Erde kann auf die Dauer einem Volk die Selbst- bestimmung vorenthalten, auch Italien den Südtirolern nicht, aber wollen und fordern muss man sie!

Felix Ermacora (* 13. Oktober 1923 in Klagenfurt; "  24. Februar 1995 in Wien)

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