Chronik
Napoleonische Zeit

Winter 1796: Zog eine ausgewählte Meraner Schützenkompanie unter dem Hauptmann Felix von Gasteiger an die italienische Grenze ab, um einem französischen Einfall abzuwehren, und nahm auf dem Tonale und bei Pejo Stellung. Der Kompanie hatten sich auch mehrere kriegslustige Studenten vom städtischen Gymnasium angeschlossen und bildeten eine eigene Corporalschaft. In dieser Stellung verblieb die Kompanie bis

Ende Juli 1796, ohne vom Feinde bedrängt worden zu sein, und wurde von einer zweiten Meraner Kompanie unter Hauptmann Karl von Weber abgelöst, die aber nach Deutschmetz beordert wurde. Bei dieser Kompanie verblieb von den früheren Studenten-Corporalschaft Franz Plattner, der von Meran gebürtig war, und am dortigen Gymnasium sich durch Talent und glänzende Fortschritte in den Studien rühmlichst auszeichnete. Beherzt und Todesmutig bot er sich an, mit mehreren Schützen, die sich freiwillig unter sein Kommando stellten, eine gefährliche Patrouille gegen den nahen Feind zu unternehmen. Nachdem er den ausersehenen Punkt, von wo aus die feindlichen Aufstellungen übersehen werden konnte, erreichte hatte, schlugen die versteckten feindlichen Vorposten auf ihn an und streckten ihn zur Erde nieder. Dieser bedauernswerte Verlust war der einzige, den die zwei Kompanien im Jahre 1796 zu beklagen hatten. (In der Zeit auf dem Tonale stand auch der spätere Oberkommandant von Tirol, Andreas Hofer, in den Reihen der Meraner Schützenkompanie. Als wegkundiger Schützenkorporal obliegte ihm die Aufgabe mit seinen Pferden Proviant von Innsbruck zu seiner Einheit auf dem Tonale zu führen und zu diesem Zweck vom Kreisamt Bozen einen Passierschein ausgehändigt bekam. Im September stellten dann die Passeirer eine eigene Kompanie.)

1797: Weihe der Schützenfahne des k.k. Hauptschießstandes Meran. "Sie besteht aus grün-weiß-grünem, seidenen Fahnentuche und trägt im Mittelfeld einen gestickten Reichsadler, über dem der Tiroler Adler und der Meraner Stadtwappenadler schweben und in den Schnäbel einen Lorbeerkranz halten. In den Fängen halten diese beiden Adler je einen Eichenkranz. Um den Hals hat der Reichsadler ebenfalls einen Lorbeerkranz. Das Fahnentuch ist von einer sibergestickten Bordüre umrahmt. Ebenso sind Krone, Szepter, Schwert und Reichsapfel am Doppeladler ausgeführt. Auf der anderen Seite des Fahnenblattes sieht man im Mittelfeld das Bild des hl.Sebastian in gobelinartig ausgeführter Stickerei mit der Aufschrift "Schutzpatron". Als Inschrift auf der Vorderseite ist längs der Fahnenstange, welche eine mit Eichenlaub gezierte Fahnenspitze krönt, zu lesen: Meran anno MDCCXCVII."

März 1797 drangen erneut französische Heeresabteilungen durch das untere Etschtal herauf. Gleich beim Beginn der Feindseligkeiten stand eine starke Kompanie von Meran auf dem Kampfplatze und hatte auf der rechten Flanke der österreichischen Truppen heftige Kämpfe bei Deutschmetz, Zambana und Rocchetta zu bestehen, wo sie sich sehr tapfer hielt und rühmlichst beitrug, daß der Feind sich über Fajo nach Judikarien zurückziehen mußte. Viele Schützen der Kompanie erhielten für ihre Tapferkeit die landschaftliche Medaille.

21.März 1797: Die Gefahr für Süd-Tirol wurde immer größer. Die Macht des Feindes, die 15.000 Mann betrug, stand unter dem Obergeneral Joubert bei Lavis; das kleine Häuflein Österreicher hatte die feste Stellung bei Salurn inne, aus der es durch die Übermacht des Feindes nach hartnäckigem Kampfe verdrängt wurde. Die Meraner Schützenkompanie stand auf dem rechten Flügel unter dem Oberkommando des General Laudon, mit dem sie sich von Deutschmetz über die Gebirgswege des Nonsberg, dann über Terlan nach Meran zurückzog.

23.März 1797: Einzug der feindlichen Truppen in Bozen. Aufgrund der Wirren des Rückzuges und der Flüchtlinge, welcher durch Meran zog, entschloß sich die Gemeinde und General Laudon, trotz hartnäckigem Widerstand des Volkes, für eine friedliche Übergabe der Stadt und richtete sich dementsprechend ein den Feind jederzeit zu empfangen.

27.März 1797: Das Murren unter der Bevölkerung aufgrund der bevorstehenden Übergabe der Stadt wurde immer stärker, und Laudon befürchtete schon einen eigenmächtigen Aufstand, als am 27.März vormittags etwa 2.000 Passeirer nach Meran kamen und den Auszug wider dem Feind verlangten. Sie drohten die Stadt zu verbrennen und zu verheeren falls man ihnen nicht willfahren wollte. Um sich dieser zu entledigen schickte er sie auf das Gebirge gegen Jenesien.

Am 29.März 1797 war der Angriff des Feindes beschlossen, dem dieses Vorhaben nicht unbekannt gewesen sein mag, denn man fand ihn bestens vorbereitet. Sowohl die Passeirer auf dem Gebirge, als auch Laudon bei Siebeneich wurden zurückgeworfen, doch nur bis Terlan. Die Maiser Schützenkompanie, welche in der Talsohle unter dem Schlosse Maultasch stand, vernahm Flintenschüsse, und vermutete nicht zu Unrecht ein Gefecht zwischen den Franzosen und den K.K.-Vorposten. So bat der 18jährige vom Vinschgau gebürtige Meraner Gymnasiast Unterleutnant Martin Teimer seine Kompanie ihm zu folgen um den kaiserlichen zu Hilfe zu eilen, welche ihm anfangs auch folgte, jedoch alsbald flüchtete weil sie alles verloren glaubte als sie von der Übermacht des Feindes hörte. Teimer gab sich aber nicht geschlagen und begann Steine auf den feind zu werfen, womit er anderen Schützen welche sich noch im Kampfbereich befanden zeigte wie leicht der Feind aufzuhalten war. Die Schützen schafften es auch den Feind so einige Zeit zu beschäftigen, doch wurde die Zahl der Schützen immer kleiner, bis nach Eintreffen des Befehles in der folgenden Nacht zum Rückzug nur mehr Teimer mit 3 Schützen verblieben. Diese machten sich nun daran auf allen Höhen Feuer zu entzünden, damit der Feind glaube, die Berge seien von Landesverteidigern nur so bestückt, womit er auch Erfolg hatte. Der Feind wagte es nicht weiter vorzudringen, und so behauptete Teimer seine Stellung bis zum 2.April

Am 3.April 1797 erfolgte der erneute Auszug der Schützen und Landstürmer unter General Laudon von Meran wider dem Feind. Nach hartnäckigem Kampfe konnte der Feind von Bozen vertrieben werden. Die Burggräfler standen in diesen Kämpfen im linken Flügel, von wo sie den wichtigsten Punkt der feindlichen Stellung auf Jenesien angriffen. Der Feind wurde bis nach Gries zurückgedrängt, wo sie sich mit der übrigen Macht vereinigen konnte. Doch auch die Burggräfler trafen dort auf die Truppen des General Laudon und einigen Landstürmern. Es entfachte ein hartnäckiger, langwieriger, blutiger Kampf, in dessen vordersten Reihen die Meraner Schützenkompanie mitmischte und stürmisch in Gries einfiel, wo sich die Franzosen in und um den Häusern verschanzt hatten. Nach den Kämpfen in welchem die Franzosen 1.500 Mann in und um Bozen verloren, flüchteten sie in der Nacht über den Kuntersweg nach Brixen. Die Meraner Schützenkompanie hatte bei diesem Gefechte glücklicherweise keine Toten zu beklagen, jedoch zählte sie 8 Verwundete. Der Sieg dieses Tages wurde hauptsächlich den Schützen und Landstürmern des Burggrafenamtes zugeschrieben. Für die hervorragenden Leistungen bei dieser Schlacht erhielt der Unterleutnant der Meraner Kompanie, Amandus Egg, "der Rhetorik Beflissener", die große Medaille.

Am 10.August 1797 wurde der Schützenkompanie des Schießstandes Meran die große Ehrenmedaille überreicht. Die Kompanie stand, laut dem an diesem Datum verfaßten Ehrenprotokoll Nr.5050, wie die Zeugnisse des General Laudon und des Schützenkommandanten Josef Graf Arzt beweisen, unter Johann August Genal, Bürgermeister und Schützenhauptmann, und Schützenmeister und Hauptmann Josef Glatzl in den Gefechten am 26.Februar 1797 bei Tajo, am 2. Und 3.April 1797 bei Jenesien und bei Bozen. In dem genannten Ehrenprotokoll heißt es: "Wie dann der k.k. Herr General Baron von Laudon und Schützenkommandant Johann Graf von Arzt dem Schießstand zu Meran noch überdies das besondere Zeugnis geben, daß derselbe durch die ganze Defensionszeit immer zwei wackere Schützenkompanien, welche sich bei mehreren feindlichen Vorfällen durch Mut und Tapferkeit ausgezeichnet, ununterbrochen auf den Beinen gehalten, die abgehenden Kompanien immer mit Frischen ersetzt und endlich bei dem Landsturm sogleich in Masse sich erhoben und den Feind bis Brixen zu verfolgen geholfen haben: Ist dem Schießstande Meran wegen dieser seiner vorzüglichen Auszeichnung zum Andenken die große Ehrenmedaille abzureichen."

25.März 1799: Erneuter Einfall der Franzosen durch Taufers im Münstertal. Zu diesem Zeitpunkt waren mehrere Schützenkompanien im Vinschgau stationiert. Die Passeirer und Partschinser Schützen schlugen sich wacker mit dem vorstürmenden Feind bei der Marengbrücke, am Glurnser Wasserkanal und bei Laatsch, und verloren einige Tode. Die Meraner Kompanie stand oberhalb Schluderns und hatte keine Gelegenheit zum Kampfe, und mußte nur Zeuge der Flammen der brennenden Stadt Glurns und des Marktes Mals werden.

31.März 1799: Aufgrund der französischen Niederlagen in Deutschland zog sich der Feind im Vinschgau ins Engadein zurück. Dadurch war das Burggrafenamt vor Feindesgefahr sicher, und die Schützen dieser Gegend konnten in ihre Heimat zurückkehren.

Im Mai 1800 rückte eine Meraner Kompanie neben weiteren 4 Kompanien aus dem Burggrafenamt und weiteren 35, aufgrund der erneuten Bedrohung der Westgrenze Tirols durch die Franzosen in die Täler Graubündens ein, und kamen bis in das Bregedeller Tal; bei Promontorio und Bondo nahmen die Schützenkompanien am

2. Juni 1800 feste Stellung. Eine falsche Nachricht, daß der Feind mit Übermacht anrücke, brachte eine heillose Verwirrung unter die Schützen; viele liefen unaufhaltsam davon. Die Flüchtigen überbrachten die Nachricht auch der Meraner Kompanie, die in Casaccia stand. Dadurch wurde die Kompanie von solcher Furcht ergriffen, daß sie Gebäck, Lebensmittel und Munition wegwarf und über den Malojerberg und durchs Engadein bis Nauders lief.

Am 20. Februar 1801 überbrachte ein österreichischer Offizier der Stadt Meran die Nachricht von dem zu Lüneville am 9.Februar geschlossenen Frieden, worauf sich die anwesende Sauvegarde von 42 Mann Franzosen sowie 42 Mann Österreicher, welche seit dem Waffenstillstand am 25.Dezember 1800 als Sicherheitswache in Meran stationiert waren. Die Stadt verließen. Zum Dank der Verschonung der Stadt Meran in diesem Kriege errichtete die Stadt eine künstlerisch gearbeitete Marmorstatue der Unbefleckten auf dem Sandplatz mit gleichzeitiger Verlobung alljährlich eine Prozession am ersten Sonntag im Mai abzuhalten. (Dieses fromme Gelöbnis der Väter wird noch immer beobachtet - P.C.Stampfer 1889).

Im Jahre 1802 legte Kaiser Franz II. Auf dem tirolischen Landeskongress ein allerhöchstes Miliz-Patent zur Annahme vor, welches beinhaltet, daß Tirol militärisch in der Miliz organisiert wurde, und auch die Schützen dem k.k. Militärkommando als "militärische Organisation" unterstanden, da sich diese in den letzten Kriegen als sehr nützlich zeigten. Dieses Patent wurde dann auch, merkwürdigerweise, vom Landeskongress angenommen, doch wehrten sich die einzelnen Gemeinden und Gerichte dieses anzuerkennen, welche sich aber nach ernstgemeinden Drohungen fügen mußten.

Anfang April 1809 traten die Vorbereitungen des Volksaufstandes gegen die bayrische Besatzung nun voll in Aktion. In Landgericht Meran waren vorläufig Mitwissende: Johann Brunner Oberwirt in Schenna, Johann Mößl (Stallele) und Blasius Trogmann (Fink) in Mais, Valentin Tschöll Bürger von Meran, Jakob Flarer Widumsbaumann und Alois Elsler Schullehrer auf Tirol, Matthias Ladurner (Oberdorner) in Algund, Josef Moser (Maratscher) in Plars, Johann Gstirner Neuwirt in Rabland, Franz Tappeiner (Obermair) in Tschirland; Diese Männer kamen beim Johann Mößl zusammen und setzten den Beginn des Aufstandes auf den 11.April fest. Der bereits bekannte Martin Teimer organisierte, nach Absprache mit Andreas Hofer nach seiner Rückkehr aus Wien, den Aufstand im Oberinntal.

12.April 1809: Als alles Volk, ohne das die bayrische Besatzung etwas bemerkt habe, mobilisiert wurde, rückte dasselbe bei Einbruch der Nacht auf den 12.April in Kompanien geordnet gegen die Stadt Meran. Valentin Tschöll von Meran, welcher den Titel eines k.k. österreichischen Kommandanten annahm, musterte das bewaffnete Volk, so gut es im Dunkel der Nacht möglich war, und marschierte mit demselben in Meran ein. Am 12.April morgens stellte er Wachen auf vor den Wohnungen des neuen königlich-bayrischen Landrichters August von Vincenti, des alten, noch nicht nach Memming abgereisten Landrichters Josef Wieser, des Landgerichtsschreibers Jakob Kleemann, des Grafen Ignatz von Mamming, des Bürgers und Bäckermeisters Josef Ladurner. Der Aktuar Anton Hörmann glaubte eine Sicherheitsstätte im Schweinestall des Grafen von Mamming gefunden zu haben; man zog ihn aber aus dem Versteck und setzte ihn unter scharfen Arrest. Nun trat Valentin Tschöll öffentlich als k.k. Kommandant auf. Er ließ den Stadtmagistrat auf 7 Uhr Morgens ins Rathaus laden und kündigte demselben die österreichische Besitznahme von Tirol an. Weiters forderte er die durch Trommelschlag für 12 Uhr versammelte Bürgerschaft auf, den Feind aus dem Lande zu jagen und sich mit den anrückenden Österreichern zu verbinden. Noch am selben Tage rückten die Meraner mit den Kompanien der umliegenden Gemeinden, insgesamt 2.000 Mann, unter Anführung des Bürgers und Schützenhauptmannes Peter Staffler nach Bozen. Hauptmann der Meraner Kompanie war Valentin Tschöll. Der ehemalige Pfarrprovisor von Meran, Johannes Degeser, flog aus seinem Verstecke im Schlosse Katzenstein, wo er sich vor den Bayern verbarg, blitzschnell hervor und zog als Feldkaplan mit. Am selben Tage zog Andreas Hofer über den Jaufen gegen Sterzing, wo es im Sterzinger Moos zur erbitterten Schlacht kam. Doch gelang es den Passeirer den Widerstand zu brechen. Nach einem Verluste von 240 Toden und Verwundeten streckte der Überrest des Bataillons, 10 Offiziere und 380 Gemeine die Waffen. Nicht viel besser ging es der französischen Colonne unter Bisson und Lemoine an der Ladritscher Brücke. Bisson gelangte zwar über den Brenner, mußte sich aber in Wilten an Teimer ergeben. Lemoine flüchtete nach Bozen, von wo er in der Nacht auf den 13.April jedoch wieder abzog. Am Morgen des

13.April 1809 rückten die Burggräfler, unter ihnen die Meraner unter Valentin Tschöll, in Bozen ein. Bemerkten sofort den Abzug des Feindes und folgten ihm sogleich bis Neumarkt nach, wo sich derselbe gerade beim Abkochen befand. Das Anrücken der Schützen zwang den Feind die gekochten Speisen stehen zu lassen und eiligst nach Trient zu fliehen. In Trient stand zu diesem Zeitpunkt der französischem Divisionsgeneral Baraguay d’Hilliers mit etwa 5.000 Mann. Bis auf Trient war Tirol befreit.

Am 19.Mai 1809 zog der Feind, unter Marschall Lefebre und General Deroy, siegreich in Innsbruck ein. Ein großer Teil des Landes zeigte sich gewillt die Waffen zu strecken, nur im Burggrafenamt, im Vinschgau sowie im Oberinntal war man zur kräftigen Gegenwehr entschlossen. Schon am nächsten Tag zog eine 110 Mann starke Meraner Kompanie unter dem Hauptmanne Felix von Gasteiger, dem Rufe des Sandwirtes folgend, mit weiteren Burggräfler Kompanien nach Passeier. Vereinigten sich mit den Passeirern unter Andreas Hofer, der bei dieser Gelegenheit zum ersten mal als Oberanführer der Tiroler auftrat, und zogen über den Jaufen zum Brenner. Dort trafen sie auf die kaiserlichen Truppen des Generals Buol’s, etwa 2.300 Mann stark, welche sie als "willenlose Schar" mitrissen.

Am 25.Mai 1809 standen die Schützen bereits auf dem Schönberge, und kamen alsbald in Kontakt mit dem 8.000 Mann starken Feinde. Auf dem Berg Isel beschlich so manchen Meraner Schützen eine heimliche Furcht vor den bayrischen Kugeln, und beinahe die Hälfte der Kompanie verschwand. Die zurückgebliebenen 60 Mann wählten sich einen neuen Hauptmann, den tüchtigen Josef Schweigl, Bürger von Meran. Um 3 Uhr Abends geschah bei starkem Regenwetter der Angriff auf den Feind, ohne daß der Kampf entschieden wurde, da jede Seite die eigenen Stellungen behielt. Für die folgenden 3 Tage sollten die Waffen ruhen. An diesem Tage verlor die Meraner Kompanie den Grafen von Stachelburg, geboren am 3.September 1778, verehelicht mit Elisabeth Gräfin von Mohr, Vater dreier unerzogener Töchter, der letzte Sprößling seines Geschlechtes. Als patriotischer Mann schloß er sich freiwillig und auf eigenem Solde der Meraner Kompanie an. Furchtlos stand er im Kugelregen, als er gegen 5 Uhr Abends im Unterleib zwei Schußwunden erhielt und bald darauf sein edles Leben endete. Am folgendem Tage wurde er von sechs Meraner Schützen in Natters ehrenvoll zu Grabe getragen. Weiters fielen an diesem Tage: Anton Jäger, Bauer auf Zenoberg, Vater von vier unerzogenen Kindern. Josef Leiter, Weinmesser in Meran, wurde an diesem Tage von dem Feinde gefangen genommen, an den Füßen vom Berg Isel gegen die Gallwiese herabgezogen und ins Gefängnis geschleppt, bis er am 29.Mai von seinen Landsleuten befreit und nach Meran geliefert wurde, wo er in Folge der erlittenen Mißhandlungen am 23. September verstarb.

Am 29.Mai 1809 wurden erneut die Waffen ergriffen. Nach 3tägiger Pause griff man den Feind um 8 Uhr morgens von allen Seiten an. Der Kampf zog sich über den ganzen Tag hindurch. Die Bayern waren den Anstürmen der Tiroler wohl nicht mehr gewachsen, denn er zog sich im Verlauf der Schlacht nach Innsbruck zurück, von wo er noch in der folgenden Nacht im Schutze der Dunkelheit abzog. In den Kämpfen dieses Tages fiel von der Meraner Kompanie der erst 17 Jahre alte Johann Fieg, Sohn eines Eisenschmiedes. Unerschrocken und kaltblütig feuerte er als geübter Scharfschütze ohne Unterlaß auf den Feind, bis gegen Mittag, wo ihm plötzlich eine tödliche Kugel durch den breiten Ledergürtel in die Eingeweide fuhr, worauf er noch einige Schritte zurücksprang, dann hinsank, und unter frommen Zusprüchen eines Kampfgefährten sein junges patriotisches Leben aushauchte. Nach der siegreichen Schlacht dieses Tages zog die Meraner Kompanie über den Jaufen nach Meran zurück. In Saltaus umwand die ganze Kompanie ihre Hüte mit Trauerflören, wegen des gefallenen Grafen von Stachelburg. In Meran angekommen, bewegte sich die Kompanie zuerst in die Pfarrkirche, wo der Trauergottesdienst für den edlen Verstorbenen abgehalten wurde.

Am 27. Juli 1809 zogen vom Landgericht Meran 4 Kompanien ohne auch nur ein Ziel vor Augen von Meran ab. Die traurige Nachricht vom Kriegsschauplatz an der Donau, der Waffenstillstand von Znaim sowie der Abzug der österreichischen Truppen aus dem Lande, stiftete Verwirrung unter der Bevölkerung. Der Feind drang von allen Seiten ins Land. Marschall Lefebre stand mit seinem starken Armeekorps in Innsbruck und drang von da über den Brenner nach Sterzing gegen Brixen vor. Nur das obere und mittlere Etschtal war noch nicht besetzt. Angesichts dieser Lage erging Hofers Aufruf besonders an die Burggräfler und Passeirer welche sich alsbald, um die 2.000 Mann stark, sammelten, und über den Jaufen gegen Lefebre zogen.

Am 10. August 1809 kam es zur Schlacht an der Moosbrücke, welche die Landesverteidiger jedoch aufgrund starkem Haubitzenfeuer verlassen mußten, und sich bis zum "Einsiedl" und zum Fuße des Jaufen zurückzogen. Von dort bearbeiteten sie den Feind mit gut gezieltem Stutzenfeuer, bis nach vierstündigem Kampf, Lefebre, "Herolde" mit weißer Fahne schickte um einen Waffenstillstand für den folgenden Tage zu erreichen. Von Seite der Tiroler wurden Hauptmann Auckenthaler von der Meraner Kompanie, P. Guardian von Sterzing und zwei Passeirer als Parlamentär zum Feinde geschickt, welche jedoch der Feind gegen sein Versprechen als Geisel zurückbehielt, damit die Bauern den Waffenstillstand desto sicherer halten möchten. Noch in der Zeit des Waffenstillstandes machte der Feind anstalten sich zurückzuziehen, und retirierte noch in der selben Nacht in größter Eile von Sterzing nach Innsbruck. Die Landesverteidiger folgten ihnen bis Matrei nach, wo sie sich teilten. Der Meraner Kommandant Valentin Tschöll rückte mit 14 Kompanien über die Ellbögen auf dem Patschberg bis nach Lans. Die Meraner mit den Passeirer unter dem Kommando des Sandwirtes verfolgten den Feind weiterhin bis zum Schönberg hin.

Am 12. August 1809 holte man den Feind am Schönberg ein. Dieser stürzte sich unter großem Gedränge und Verwirrung nach Unterberg, in der Hoffnung einem Kampfe oder der Gefangenschaft zu entgehen, doch liefen sie geradewegs ins Feuer der Schützen von Stubai, Mutters und Natters. Unter großen Verlusten gelang es Lefebre dann doch sich bis Innsbruck durchzuschlagen.

Am 14. August 1809 wurde der Feind von mehreren Seiten angegriffen. Von den Oberinntalern und Vinschgern bei Kranewitt, von den Unterinntalern bei Hall und der Volderer Brücke und von den Meranern und Passeirer am Berg Isel. Lefebre ließ mehrere Häuser am Stadtrande Innsbrucks anzünden. Dieser Anblick veranlaßte dann wohl die Meraner immer wieder, mit dem Gewehrkolben voraus, immer wieder gegen die Stadt anzulaufen, jedoch wurden sie immer wieder zurückgeworfen. Die Tiroler wurden lebhaft mit Kanonen beschossen. Besonders litten diese unter der Hitze jenes Tages. 8 Meraner wurden bei diesem Kampfe verwundet. Am nächsten Tage verließ der Feind Innsbruck und wurde von den nachstürmenden Landesverteidiger verfolgt. Die Meraner Kompanie nahm an der Verfolgung bis Schwaz und Vomp anteil, worauf sie nach Innsbruck zurückkehrte und dort die Ehre erhielt, die Haupt- und Burgwache zu versehen.

Am 25. September 1809 kam es zur Schlacht bei Unken. Eine starke Meraner Kompanie, bestehend aus Untermaiser und Meranern, unter dem Hauptmann Josef Schweigl und Feldkaplan Degeser, zog bereits am 5.September von Meran ab. Diese Kompanie trug wesentlich zum Siege dieser Schlacht bei. Die Meraner umgingen in der Nacht vom 24. Auf den 25.September, verstärkt mit den Schützen von Algund, Mais, Schenna, Naturns und Partschins, den Feind. Das königlich-bayrische Regiment wurde gänzlich gesprengt; 1.700 Mann wurden gefangen genommen, viele getötet und viele sprangen in die Saale. Ganz besonders zeichnete sich Sebastian Bernhard von Untermais aus, der in der Meraner Kompanie stand. Er war der erste der in die feindliche Stellung mit umgekehrten Stutzen eindrang, wie ein Rasender um sich schlug und mit seinen gewaltigen Armen manchen erprobten Soldaten niederhämmerte. Zu seinen Füßen legten nicht weniger als 55 Soldaten ihre Gewehre nieder.

Anfang Oktober 1809 sah es wieder kriegerisch in Südtirol aus. Der feindliche General Peyri stand in und um Trient. Auf diesen südlichen Kriegsschauplatz war Meran durch eine Schützenkompanie von 100 Mann unter dem Hauptmanne Urban Pitsch vertreten.

In den ersten Novembertagen erhielt man in Meran eine Proclamation des Viceköniks von Italien, worin der von den Tirolern bezweifelte Friedensvertrag bestätigt wurde. Die Gemeinde Meran, sowie jene von Mais und Tirol fügten sich und gaben die Waffen ab, welche aber von dem anwesenden Volke anderer Gemeinden beschlagnahmt wurden, und unter demselben aufgeteilt. Alsbald traf die französische Besatzung in Meran ein.

Am 14. November 1809 kam es zur letzten siegreichen Schlacht, der Tiroler, auf dem Segenbühel. Hauptsächlich beteiligten sich an diesem Kampfe die Passeirer, Vinschger, Algunder, Partschinser, Marlinger und Schenner. Von den Meranern ist anzunehmen daß einzelne in den genannten Kompanien standen, allerdings wird diese Anzahl nicht allzu beträchtlich ausgefallen sein, da den Meranern, wie den Maisern sowie Tirolern die Gewehre abgenommen wurden, sowie der Feind ihre Behausungen besetzt hielt. Dieser konnte erfolgreich verjagt werden, doch nur für kurze Zeit.

Am 23. November 1809, beobachteten die Meraner mit Furcht die flüchtenden Landesverteidiger, welche nach der siegreichen Schlacht am Segenbühel dem Feinde nachsetzte, um ihn auch aus Bozen zu werfen. Nach unglücklichen und blutigen Gefechten trieben nun die Franzosen das Tiroler Volk durch Meran nach Vinschgau oder Passeier. An diesem Tage fiel der Algunder Schützenhauptmann Peter Thalguter mit seinen erst 33 Jahren. Dies sollte der letzte Tode der Freiheitskämpfe des Jahres 1809 aus der Meraner Gegend sein, wie es Graf von Stachelburg der erste war.

Am 16. Jänner 1810 beendete eine Verordnung des Oberkommandierenden der kaiserlich-französischen Truppen jede Schützentätigkeit: 1.Das Scheibenschießen ist allenthalb verboten; 2.Die erste Übertretung dieses Befehls wird mit 100 Gulden, die zweite mit dreimonatlichem, die dritte mit noch längerem Arrest bestraft; 3.Die Waffenschmiede dürfen keine verdorbenen oder zerrissenen Waffen ausbessern, welche ihnen von den Einwohnern, die nicht zum Militär gehörten, überbracht werden.

4. Dezember 1810 kam der bairischen Kronprinzen Ludwig nach Meran zu Besuch, mit welchem König Maximilian versuchte die Tiroler mit der bairischen Regierung zu versöhnen. Zum Empfang des Kronprinzen marschierten auch die Schützen auf, allerdings ohne Waffen.

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Kompanie


Andreas Hofer
1809 Oberkommandant von Tirol
1796 Korporal der Meraner Schützen


13. August 1809
Schlacht am Berg Isel
Meraner Schützen
unter der Führung von Peter Thalguter