Bericht zur Andreas-Hofer-Landesfeier beim Sandwirt

Kategorie: Südtiroler Schützenbund

Von: SSB - Online Team
Mittwoch, 24. Februar 2010

ST. LEONHARD - Am Sonntag, dem 21. Februar 2010, fand am späten Nachmittag vor dem Gasthof "Sandwirt" in St. Leonhard im Passeier die Andreas-Hofer-Landesgedenkfeier statt.

Schützenkompanien und Abordnungen aus dem gesamten Lande sowie Vertretungen des Welschtiroler Schützenbundes und des Bundes der Bayerischen Gebirgsschützenkompanien waren eingetroffen, um das Tiroler Gedenkjahr feierlich zu beenden. Unter den Ehrengästen befanden sich Sepp Mitterhofer, der Obmann des Südtiroler Heimatbundes, SVP-Senator Manfred Pinzger, der Kammerabgeordnete Karl Zeller, die Landesräte Richard Theiner und Michl Laimer, die Landtagsabgeordneten Eva Klotz, Sven Knoll, Sigmar Stocker, und die Bürgermeister von St. Leonhard und von St. Martin im Passeier.

Im Wortgottesdienst, der von der Musikkapelle "Andreas Hofer" und dem Männerchor von St. Leonhard musikalisch gestaltet wurde, wies der Burggräfler Bezirkskurat Pater Christoph Waldner OT darauf hin, dass es den Großen in der Geschichte immer um die Sache, und nicht um Verehrung ging. "Unsere Sache also wären Glaube und Treue. Unsere Sache also wäre es, uns einzusetzen: für Glauben und Gott, für Treue zu uns selber und unseren Wurzeln", so der Deutschordenspriester.

Nach der Begrüßung durch den Bataillonskommandanten Mjr. Florian Krezdorn und den Grußworten von BM Konrad Pfitscher und Landeskommandant Paul Bacher zog die Historikern Dr. Margareth Lun in ihrer Gedenkansprache Resümee über das zu Ende gegangene Gedenkjahr. Dabei betonte sie, dass Tirol in diesem Jahr ohne Zweifel kulturell Zeichen gesetzt habe.

Als ernüchternd bezeichnete Lun aber die offizielle Zusammenarbeit der Tiroler Landesteile auf politischer Ebene: So sei das "Tiroler Landesinstitut" ebenso wieder aufgelöst worden wie das von Dr. Viktoria Stadlmayer aufgebaute Südtirol-Referat, früher wichtige Anlaufstelle der Südtiroler bei der Tiroler Landesregierung, und auch der Beschluss des Südtiroler Landtags, den Zweierlandtag einzuführen, sei von Politikern des Bundeslandes Tirol heftig kritisiert worden. Nicht die Hoffnungen erfüllt hätten aber vor allem auch die so gepriesene "žEuroparegion Tirol"œ und das gemeinsame Büro in Brüssel, für die es nach wie vor keinen rechtlichen Rahmen gebe.

Aufhorchen ließ die Gedenkrednerin aber vor allem mit dem Hinweis, dass seit dem Referendum von 2001 das Autonomiestatut auf rechtlich wackeligen Beinen stehe. Denn durch das Verfassungsgesetz Nr. 3/2001 könne das italienische Parlament eine Anpassung des Autonomiestatuts an die neue italienische Verfassung vornehmen, ohne auf Südtirol Rücksicht nehmen zu müssen. Auf Grund dieser so genannten "ausschließlichen Zuständigkeiten" könne der Staat seit 2001, wenn er Bedarf sieht, auch unserem Land wieder in jedem wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Bereich seinen Willen aufzwingen.

"In diesem vergangenen Tiroler Gedenkjahr wurde in beeindruckender Weise aufgezeigt, dass das alte Tirol nicht nur lebt, sondern dass es auch heute sehr wohl gemeinsame Visionen hat", so Lun weiter. Perspektiven und Visionen für unser Land gebe es genug: von einer so genannten Kondominiums-Lösung, über ein wiedervereinigtes Tirol als österreichisches Bundesland bis hin zu einem selbstbestimmten Freistaat Süd-Tirol.

Die offizielle Feier wurde durch die Kranzniederlegung an der Kapelle beim Sandwirt und das Singen der Tiroler Landeshymne würdig beendet. Die beiden Ehrensalven wurden von der Schützenkompanie Ötz (Bataillon Ötztal) abgefeuert.

Im Anschluss an die vom Bataillon Passeier vorbildlich organisierte Feier erfolgte in der Stube des Gasthofs die Ehrung verdienter Schützen und Marketenderinnen des Südtiroler Schützenbundes. Ausgezeichnet wurden die Marketenderin Daniela Holzner (Algund), Hauptmann Bernhard Burger (Burgstall) und Fähnrich Heinz Jürgen Tatz (Vintl) mit der Verdienstmedaille des SSB in Bronze.

Einen ebenso stimmungsvollen wie spektakulären Ausklang der Abschlussfeier des Tiroler Gedenkjahres bildeten die Bergfeuer auf den schneebedeckten Gipfeln und die Flammenschrift "TIROL" über St. Leonhard.


 

Gedenkrede von Frau Dr. Margareth Lun

Verehrte Anwesende, liebe Tiroler Landsleute!

Jubiläen sind nicht nur ein Anlass zu feiern, sondern sie sind immer auch Ausdruck des Geschichtsbewusstseins einer Gesellschaft und eines Landes. Jubiläen sind aber auch ein Anlass, innezuhalten, und über unsere Identität und unsere Werte nachzudenken und unseren Standort zu bestimmen.

Ob historisch mehr oder weniger interessiert - wohl an niemandem von uns ist dieses Gedenkjahr vorübergegangen, ohne Eindrücke zu hinterlassen.

Tirol hat in diesem Jahr ohne Zweifel kulturell Zeichen gesetzt. Sei es durch die vielen Publikationen, Filme, Theateraufführungen, aber auch durch Ausstellungen, Vorträge, Denkmaleinweihungen, das Pflanzen der Jubiläumsbäume und vieles andere mehr. Der Höhepunkt dieses Gedenkjahres war sicher der große Landesfestumzug in Innsbruck, der im Vorfeld so die Gemüter erhitzt hat, letztendlich aber ein voller Erfolg wurde.

Begrüßenswert ist vor allem, dass man sich anlässlich des Gedenkjahres - auf verschiedensten Ebenen - sowohl mit der Geschichte, als auch mit der Gegenwart unseres Landes, des gemeinsamen Tirol, befasst hat. Dabei wurde gerade in diesem Jahr neben der durchaus berechtigten und traditionellen Form des Andenkens versucht, einen neuen Zugang zum Heldentum zu finden. So wurden nicht nur die großen Persönlichkeiten und die kriegerischen Ereignisse beleuchtet, sondern mehr und mehr auch die Bevölkerung als ganze, und die unglaublichen Schwierigkeiten, mit denen sie in den 18 Jahren der französischen Besetzung fertigzuwerden hatte.

Ohne Zweifel war diese Fülle an Veranstaltungen und die Umsetzung der verschiedensten kulturellen Ideen nur in dem Maße möglich, weil sie einerseits von einem großen Teil von der öffentlichen Hand finanziell und ideell unterstützt wurden, andererseits aber vor allem von so vielen Tirolern und Tirolerinnen aus tiefster Überzeugung gelebt und belebt worden sind.

Aber heute, zum Abschluss des Gedenkjahres, ist auch der Zeitpunkt gekommen, Bilanz zu ziehen - Bilanz zu ziehen, was die gemeinsamen Perspektiven des ursprünglichen Tirol und die Zusammenarbeit der Tiroler Landesteile auf offizieller Ebene betrifft. Und hier fällt das Resümee leider ernüchternd aus.

Als vor 25 Jahren, anlässlich des Tiroler Gedenkjahres 1984, das "Tiroler Landesinstitut" ins Leben gerufen wurde, das auch im Bozner Waltherhaus ein Büro unterhielt, wurden große Hoffnungen darauf gesetzt. Diese wurden allerdings nicht nur bald schon enttäuscht, denn die Tätigkeit des "Tiroler Landesinstituts" zeigte sich als mehr als dürftig, sondern vor einiger Zeit wurde das Institut sogar ganz aufgelöst.

Auch das Südtirol-Referat, von Dr. Viktoria Stadlmayer, der Grande Dame der Südtirol-Politik, aufgebaut und früher wichtige Anlaufstelle der Südtiroler bei der Tiroler Landesregierung, gibt es nicht mehr. Dieses Referat "S" wurde mit der Pensionierung von Dr. Robert Gismann, dem Nachfolger von Viktoria Stadlmayer, ebenfalls nicht mehr als notwendig erachtet und geschlossen.

Oder denken wir an den "Zweierlandtag": Der Südtiroler Landtag hat bezüglich dessen Wiedereinführung zwar einen entsprechenden Beschluss gefasst, dieser wurde aber in der Folge von Politikern des Bundeslandes Tirol heftig kritisiert. Zwar war dieser Antrag effektiv vorher nicht abgesprochen worden, aber die öffentlich zum Ausdruck gebrachte ablehnende Haltung aus Innsbruck war schon mehr als bedenklich.

Nicht die Hoffnungen erfüllt haben aber vor allem auch die so gepriesene "Europaregion Tirol" und das gemeinsame Büro in Brüssel. Tatsache ist nämlich, dass es nach wie vor keinen rechtlichen Rahmen für eine Europaregion gibt.

Mir scheint fast, dass diese "Europaregion Tirol" nur mehr eine Alibi-Vision für jene geworden ist, die sich halt nicht trauen, ein selbstbestimmtes Südtirol anzustreben.

Die dynamische Autonomie ist tot. Unser Autonomiestatut ist nur bis zum Status von 1992 international verankert. Das ist den meisten bekannt. Aber kaum jemand ist sich bewusst, dass seit dem Referendum von 2001 unser Autonomiestatut auf rechtlich wackeligen Beinen steht. Denn durch das Verfassungsgesetz Nr. 3/2001 kann das italienische Parlament eine Anpassung des Autonomiestatuts an die neue italienische Verfassung vornehmen, ohne auf Südtirol Rücksicht nehmen zu müssen. Das heißt im Klartext: Auf Grund dieser so genannten "ausschließlichen Zuständigkeiten" kann der Staat seit 2001, wenn er Bedarf sieht, auch unserem Land wieder in jedem wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Bereich seinen Willen aufzwingen.

Verehrte Zuhörer!

In diesem vergangenen Tiroler Gedenkjahr wurde in beeindruckender Weise aufgezeigt, dass das alte Tirol nicht nur lebt, sondern dass es auch heute sehr wohl gemeinsame Visionen hat. Perspektiven und Visionen für unser Land gibt es genug:

Sie reichen von einer so genannten Kondominiums-Lösung, wie sie z.T. überseeische Gebiete einiger europäischer Staaten haben, - über ein wiedervereinigtes Tirol als österreichisches Bundesland - bis hin zu einem selbstbestimmten Freistaat Süd-Tirol.

Sowohl für die Gestaltung der Gegenwart als auch für unsere Zukunft haben wir eine Unmenge an Möglichkeiten zur Verfügung - konventionelle und unkonventionelle. Vielleicht braucht es nur mehr Mut dazu, sie zu nützen.

Gerade die Figur Andreas Hofers wurde in diesem Gedenkjahr immer wieder von verschiedenen Seiten beleuchtet und analysiert: Trotz seiner Schwächen, die ja letztendlich auch zu seinem persönlichen Scheitern geführt haben, war Andreas Hofer ein Mann von hervorragenden Charakterstärken. Ein Mensch, dessen Handeln und dessen Mut uns zum Nachdenken anregen sollten.

Gerade durch Andreas Hofer sind Werte wie Loyalität, Religiosität, Tapferkeit und Freiheitsliebe ein fester Bestandteil der Tiroler Identität geworden. Denn die Tiroler haben 1809 ganz Europa ein Beispiel gegeben, dass ein Volk, das mit Überzeugung und Willen das Letzte einsetzt, unmöglich Scheinendes zu erreichen vermag.

Tirol braucht heute vielleicht mehr denn je Menschen, die sich trauen, ihre Stimme zu erheben, gegen das, was nicht rechtens ist; die es wagen, etwas zu unternehmen, um Misstände zu beseitigen. Es braucht Menschen, und vor allem Führungspersönlichkeiten, die ihr Handeln nicht nach eigenem finanziellem Vorteil ausrichten, sondern bereit sind, mit ihrer ganzen Kraft und Überzeugung für die Heimat einzustehen und dabei auch persönliche Opfer zu bringen. Tirol braucht Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu tragen, um für das Land etwas zu bewegen.

Das gemeinsame Tirol, das wir anstreben, braucht jeden von uns. Denn wir alle sind es, die Verantwortung zu tragen haben. Wir sind es, in deren Hand die Zukunft liegt.

Diese heutige Verantwortung bewusst zu tragen, das sind wir den Helden des Jahres 1809 schuldig, aber auch all den anderen, die durch ihre Opferbereitschaft und ihre Taten das Land Tirol zu der Blüte gebracht haben, in der es heute steht.

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