Podiumsdiskussion "Geschichte trifft Zukunft" in Pichl Gsies

Kategorie: Südtiroler Schützenbund, Schützen

Von: SSB - Online Team
Mittwoch, 13. Januar 2010

Diskutierten zum Thema des Gedenkjahres "Geschichte trifft Zukunft" im Vereinshaus in Pichl. Von links: Andreas Pöder, Elmar Pichler Rolle, Eberhard Daum, Eva Klotz, Hans Heiss und Pius Leitner. Alle Fotos: Johann Burger.

PICHL GSIES - Als abschließende Veranstaltung zum Gedenkjahr 1809-2009 fand in Pichl/Gsies eine Podiumsdiskussion statt. Vertreter der deutschen Parteien stellten sich die Fragen, was vom Gedenkjahr bleibt, ob sich der Aufwand gelohnt hat und ob mit Rücksicht auf historische Fakten die Zukunft gestaltet und Neues gewagt werden kann, ohne dabei die eigene Identität zu verlieren und die eigenen Wurzeln zu vergessen.

Am 9. Jänner 2010 organisierten die Schützengilde Nikolaus Amhof, die Schützenkompanie und Schützenkapelle Pichl im Vereinshaus von Pichl eine Podiumsdiskussion. Eberhard Daum führte durch die abschließende Gedenkveranstaltung, zu der Andreas Pöder (Union für Südtirol), Elmar Pichler-Rolle (SVP), Eva Klotz (Südtiroler Freiheit), Hans Heiss (Grüne) und Pius Leitner (Freiheitliche) geladen waren. Zahlreiche Zuhörer waren der Einladung gefolgt.

Kritik und Lob

Die Teilnehmer der Elefantenrunde fanden Lob und Kritik für das zu Ende gehende Gedenkjahr.

Eva Klotz begrüßte das gestärkte Geschichtsbewusstsein, bemängelte aber die fehlenden Visionen über Südtirols Zukunft. "Die Diskussion um die Zukunft Südtirols hätte mit mehr Visionen geführt werden müssen. Diese Diskussionen wurden schnell unterbunden." Südtirol dachte an die Helden von 1809 und an die damalige Teilung Tirols. "Das Land ist noch immer geteilt, aber im Gedenkjahr wurde über die italienische Besetzung nicht gesprochen."

Für Pius Leitner wurde im Vergleich zum Gedenkjahr 1984 zu sehr an den Menschen vorbeigeplant und keine politischen Ziele gesetzt. "Bei den Überlegungen von Andreas Khol wie viele Südtiroler zum Festumzug nach Innsbruck fahren dürften, stehen mir die Haare zu Berge"œ, erklärte Leitner. Je weiter sich die Gesellschaft von 1809 entfernt, desto wissenschaftlicher werden die Arbeiten und desto weniger wird gesprochen, was kommen soll. Für Leitner war der Titel des Gedenkjahres. "Geschichte trifft Zukunft" nicht treffend. "Mit diesem akademischen Titel kann ein Durchschnittsbürger nichts anfangen."

Andreas Pöder hofft, dass auf das Jahr des Gedenkens Jahre des Handelns folgen. "Das Gedenkjahr hätte ein Jahr des Nachdenkens werden können. Es wurde zu einem Jahr des Nicht-Denkens, des Aneinander-Vorbei-Denkens und manchmal auch ein Jahr des verordneten Nicht-Denkens."œ Für ihn bleibt die Tirol-begeisterte Jugend in positiver Erinnerung. "Diese Stimmung hätte von politischer Seite aufgegriffen werden müssen und keine Folkloreplanungen oder Andreas Hofer Vermarktungen organisiert werden sollen."œ

Hans Heiss betonte die kulturellen Erfolgserlebnisse, kritisierte aber, dass die Visionen um die Autonomie und die italienische Sprachgruppe zu wenig eingebunden wurden. Heiss bedauerte, dass sich das Verhältnis zwischen der Nordtiroler und Südtiroler Bevölkerung verschlechtert hat. Während andere Teilnehmer immer wieder auf die bestehenden Grenzen hinwiesen, merkte Heiss an, "dass die Grenzen durchlässiger wurden, es viele Möglichkeiten gibt, sie zu überwinden."œ Durch die Selbstbestimmungsthematik geriet die Politik unter Druck Sie versuchte die Europaregion in den Mittelpunkt zu stellen, eine leere Hülle, die aufgefüllt werden muss.

Für Elmar Pichler-Rolle verlief das Gedenkjahr positiv, da es zahlreiche Initiativen auf kultureller, politischer und veranstaltungstechnischer Basis gab. "Die drei Landesregierungen trafen sich, das Volksschauspiel in Algund wurde wieder aufgeführt, länder- und staatsübergreifende Initiativen wurden organisiert (Europäischer Verbund für territoriale Zusammenarbeit wurde gegründet), die italienische Volksgruppe des Trentino wurde in die Gedenkveranstaltungen eingegliedert."œ Pichler-Rolle wies auf das veränderte Europa hin, eine Entwicklung, die aufgegriffen und genutzt werden sollte.

Kritische Zuhörer

Im Anschluss an die Stellungnahmen der Politiker entwickelte sich eine rege Diskussion. Die zahlreichen Wortmeldungen und zum Teil der Ton der Zuhörer zeigten, dass sie mit dem Gedenkjahr nicht nur zufrieden sind. Das Gedenkjahr stand zwar unter dem Motto "Geschichte trifft Zukunft"œ, aber es wurde zu wenig über die Zukunft gesprochen. Es stößt auf Unverständnis, dass die Verwaltungsstrukturen Nordtirols und Südtirols nicht vereinheitlicht werden. Ebenso kritisierten Zuhörer, dass sich das Verhältnis zwischen Nord- und Südtirolern in letzter Zeit verschlechtert hat. Die Verantwortung dafür wurde vielfach der SVP und ihrer als arrogant angesehenen und mit Berlusconis Staatsführung verglichenen Politik zugeschrieben.

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