Josef-Noldin-Gedenkfeier in Salurn

Kategorie: Südtiroler Schützenbund

Dienstag, 15. Dezember 2009

SALURN - Vor 80 Jahren verstarb der Salurner Rechtsanwalt Dr. Josef Noldin an den Folgen faschistischer Verfolgung und Unterdrückung. Josef Noldin hatte sich stark für die deutsche Sprache und Kultur eingesetzt. Bei der Gedenkfeier am Sonntag, dem 13. Dezember 2009, hielt Werner Neubauer die Ansprache, zu der die Schützenkompanie Salurn geladen hatte.

In der Pfarrkirche begrüßte Hauptmann Walter Ceolan die Schützen, die Ehrengäste sowie die Salurner Mitbürger. Ortspfarrer Paolo Crescini feierte die Heilige Messe. "Die Schützen bemühen sich auch im christlichen Sinne um kulturelle und geschichtliche Gerechtigkeit", sagte der Pfarrer. Nach dem Festgottesdienst schritten die Schützen, die Kaiserjäger, die Ehrengäste und viele Salurner zum Ortsfriedhof.

Dort blickte Hauptmann Walter Ceolan in seiner Ansprache kritisch auf den Tiroler Landesfestumzug vom 20. September zurück: "Die Veranstalter wollten ein Fest, wo Folklore im Vordergrund steht, ohne zu bedenken, dass im Süden Tirols einiges im Argen liegt", sagte er. Laut dem Salurner Schützenhauptmann sei beim Umzug "nicht alles demokratisch abgelaufen, da manche Transparente nicht zugelassen wurden". Auch was sich der Nordtiroler Landeskommandant Otto Sarnthein nach dem Festumzug erlaubt habe, sei unter jeder Kritik. Laut Ceolan würden "die Schützen hierzulande abgehört und bei Veranstaltungen immer wieder fotografiert".

Die Gedenkrede am Grabe von Josef Noldin hielt Werner Neubauer, Nationalratsabgeordneter und Südtirol-Sprecher der FPÖ. Der Abgeordnete im österreichischen Parlament brachte seine Sorgen für die deutsche Sprache zum Ausdruck, die "massiv gefährdet ist". Auch um die Südtiroler Autonomie sei es laut Neubauer nicht gut bestellt, da diese "eine Aushöhlung erfährt". Diese sei sowieso "nur eine Übergangslösung auf dem Weg zur Selbstbestimmung".

Ein großes Problem für Südtirol sei auch die Zuwanderung. Werner Neubauer sprach von "25.000 neuen Wohnungen", die gebaut würden, "wenn die Zuwanderung so weiter geht". Von "gewissen Politikern" erwarte er sich "keine leeren Versprechen, sondern endlich Taten".

Schützen aus Algund und Lana feuerten unter dem Kommando von Hptm. Stephan Gutweniger eine Ehrensalve ab. Ein weiterer Höhepunkt der Gedenkfeier war die Enthüllung einer Tafel zu Ehren von Josef Noldin. Diese schmückt nun den Eingang am gleichnamigen Jugendhaus in Salurn. Die Gedenkfeier wurde von der Musikkapelle Salurn musikalisch gestaltet.

Rede von Werner Neubauer:

Nach 5 jähriger Haft in einer finsteren Zelle in Sibirien, öffnete sich eines Tages die Tür und ein italienischer Offizier betrat den Raum.

Er teilte dem österreichischen Kaiserjäger-Offizier Dr. Noldin mit, dass seine Haft beendet sei, er ihn in die Heimat mitnehmen wolle, wenn er nur das vorgelegte Papier unterfertigen würde: einen Loyalitäts-Eid auf Italien

Noldin verweigerte unter Hinweis auf seine Treue zu Tirol und des Unrechtes, das man seinem Land durch die willkürliche Abtrennung des Landes angetan hatte, auf die Gunst der Rückkehr. Lieber noch weitere 5 Jahre Sibirien, als Verrat am eigenen Volk zu begehen.

Diese Haltung war es, die Dr. Noldin bis heute auch für die Tiroler Jugend zum Vorbild macht.

Als Noldin am 14.12.1929 zu Grabe getragen wurde, hatte er 5 Jahre Kriegs-Gefangenschaft, 10 Jahre italienische Fremdherrschaft bzw. 10 Jahre Besatzungszeit hinter sich gebracht.

Dr. Noldin hatte die Abtrennung des Landes immer verurteilt, sich um den Erhalt der deutschen Sprache verdient gemacht und "žEIN TIROL "“ VON KUFSTEIN BIS SALURN"œ gefordert.

"žMan wolle den Italienern nichts wegnehmen, aber Italien muß die Rechte TIROLS endlich respektieren"œ, war sein Standpunkt.

Was damals galt, muss heute bei der 80 jährigen Wiederkehr des Todestages Noldins erst recht Bedeutung haben, nämlich das unumstößliche Recht zur L A N D E S E I N H E I T.

Für den damaligen italienischen Staatsanwalt war "žDr. Noldin ein Symbol des Deutschtums, an dem sich seine Landsleute orientierten und aufrichteten"œ.

DAS Symbol des moralischen Widerstandes!

Noldin starb in der Überzeugung, dass sein Opfer nicht umsonst gewesen war.

Die Schützen stellen heute diese moralische Wertegemeinschaft in Tirol nicht nur dar, sondern auch, wie beim Festzug in Innsbruck, unter Beweis.

Hätte Noldin, als Bekenner zum Volks- und Deutschtum, für das er so viel eingesetzt hat, ja sogar sein eigenes Leben, Zustimmung gegeben zur heutigen Politik?

Was hätte er zu den faschistischen Relikten in Südtirol, die an Unterdrückung, Vertreibung und Fremdherrschaft erinnern, gesagt?

Was hätte er als Rechtsanwalt zum Vorgehen des Bozener Präfekten bei den Schützen Kundgebungen in Bozen und vor allem in Bruneck gesagt?

Sicher hätte er zum Ausdruck gebracht, dass dort, wo es keine Meinungsäußerung gibt, die erste Voraussetzung für eine freie Entscheidung fehlt!

Diese freie Entscheidung wird der deutschen und ladinischen Volksgruppe in Südtirol nunmehr seit 90 Jahren vorenthalten

Ich sehe massive Gefahren für das Deutschtum in Südtirol:

- In der Anwendung der deutschen Sprache

- Durch die Aushöhlung der Autonomie

- Durch eine ungezügelte Unterwanderung bzw. Zuwanderung

- Insgesamt in der demografischen Entwicklung

Es verbleiben 10 JAHRE!

Wo sind heute die Staatsmänner, die den Mut aufbringen, eine NULL ZUWANDERUNG als Forderung zu erheben?

So weist SALURN 22% Zuwanderung in wenigen Jahren auf.

75.000 neue Zuwanderer, bedeuten etwa 25.000 Wohnungen.

Ich erinnere an die Männer und Frauen von 1957, die wegen 4.000 neuer Zuwanderer - Wohnungen nach Sigmundskron marschierten, um ihr "žLos von Rom"œ, das von Magnago zu einem "žLos von Trient"œ umgewandelt wurde, zu fordern.

Heute interessieren offenbar 25.000 solcher künftiger Zuwandererwohnungen keinen Verantwortungsträger in diesem Land.

Heute gibt es nur noch Politiker, die von einer Legislaturperiode zur nächsten wanken, aber keine Staatsmänner mehr.

Mit dem historischen Satz von Noldins Schulkameraden, Dr. Eduard Reut-Nicolussi, vom 4.9.1945, komme ich zum Schluss:

"žSelbst wenn Italien den Schlern mit Gold überziehen wollte, könnten wir dem Ziel der Landeseinheit nicht entsagen!"œ Dieser Spruch ist Auftrag und Verpflichtung. Wir, als Freiheitliche Partei Österreich, bekennen uns zu den Beschlüssen des österreichischen Nationalrates, wonach das Autonomiestatut so lange als Übergangslösung anzusehen ist, bis das Süd Tiroler Volk selbst über sein weiteres Schicksal im Wege der Selbstbestimmung entscheiden wird. Am Ende des Weges soll jedenfalls die Landeseinheit stehen, von der ich zutiefst überzeugt bin, daß sie erreicht werden kann.

Wir werden dem aufrechten Tiroler Dr. Josef NOLDIN ein  ehrendes, immerwährendes Andenken bewahren!

Es lebe Tirol

Es lebe das Heimatland Österreich

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