M a r k e t e n d e r i n n e n

Einleitung | Geschichte | Frauen im Krieg | Marketenderinnen in Tirol | Die Marketenderin heute
 
Krieg ist Männersache - heißt es.
Aber nicht in Tirol, denn das Wissen um Pflicht der Verteidigung von Recht und Freiheit des Landes existierte nicht nur in den Köpfen der Männer, auch die Frauen beteiligten sich immer wieder aktiv.
Als Beispiel seien die Frauen von Pardell (oberhalb Klausen in unmittelbarer Nähe von Kloster Säben) genannt: 
Beim Einfall der Franzosen 1797 wurden u. a. Klausen und Säben besetzt, auch Pardell war bedroht, aber die Frauen waren auf sich selber angewiesen: mit weißen Hirtenmänteln bekleidet feuerten sie Böllersalven ab und täuschten dadurch die Anwesenheit kaiserlicher Truppen vor. Die Franzosen zogen sich daraufhin zurück.

 Katharina Lanz
Katharina Lanz stammte aus Enneberg (Gadertal). Sie lebte und arbeitete im Pfarrhof von Spinges. 
1797 stießen französische Kampfverbände von Oberitalien kommend gegen Norden vor, da sie über das Inntal nach Wien marschieren wollten. Im Brixner Talkessel stellten sich ihnen Tiroler Schützen entgegen, und es kam zur blutigen Schlacht. Im Kampfgetümmel sah man ein Mädchen, das mit ungewöhnlicher Tapferkeit mit einer Mistgabel die Feinde von der Friedhofmauer stieß. Es war Katharina Lanz.
 Elisabeth Gogl, Anna Zoderer und Maria Hofer
April 1809: Erbittert über die Repressalien durch die bayerische Regierung und ermutigt durch Österreich, das Frankreich den Krieg erklärte, rüstete der Tiroler Landsturm zum Aufstand. In Sterzing stießen die Bauern aus dem Passeier und der näheren Umgebung am 11. April auf bayerische Verbände, die sich mit einer Kanone südlich der Stadt, im sog. "Sterzinger Moos", postiert hatten. Hier schien die Kriegskunst der Bauern zu scheitern, denn in das freie Feld konnten sie sich nicht wagen. Nicht weit weg standen drei mit Heu beladene Wagen, und diesen Vorteil gedachten die Bauern zu nutzen: Drei mutige Mädchen, Elisabeth Gogl aus Tschöfs, Anna Zoderer aus Sterzing und Maria Hofer aus Mauls erklärten sich bereit, die Heuwagen in den näheren Bereich der Bayern zu ziehen; hinter diesen konnten sich die zielsichersten Schützen verschanzen, und es gelang ihnen tatsächlich, die Kanoniere außer Gefecht zu setzen.
 Baronin Therese von Sternbach
Baronin Therese von Sternbach lebte zur Zeit der Tiroler Freiheitskriege in Innsbruck. Durch Wort und Schrift rief sie die eher gefügige Innsbrucker Bevölkerung unermüdlich zum Widerstand gegen die Bayern auf. Im August wurde sie von den Bayern gefangen genommen und nach München gebracht, wo sie längere Zeit im Gefängnis verbrachte.
 Josephine Negrelli
Josephine Negrelli (1790 - 1842) war eine Gutsbesitzerstochter in Primör (Primiero) im Trentino. Im Juni 1809 war es den Landesverteidigern gelungen, die Franzosen aus Trient zu vertreiben, so dass diese gezwungen waren, sich nach Rovereto zurückzuziehen. Dort wurden sie am 14. Juni von den Welschtiroler Schützen angegriffen und vertrieben.
In diesem Zusammenhang zitieren wir aus dem Bericht an den k. k. Intendanten Baron Hormayr: " . . . Eine gewisse Josphine Negrelli, 18 Jahre alt, ist in Mannskleidern mit den Schützen ausgezogen, und die Weiber nahmen selbst eine Position, um Steine auf den Feind herab zu rollen. ."
 Viktoria Savs
Viktoria Savs, das Heldenmädchen von den drei Zinnen  stammte aus Bad Reichenhall, die Familie lebte in Meran. Ihr Vater rückte 1914 als Kaiserjäger nach Russland ein. Dort wurde er verwundet, und nach seiner Genesung meldete er sich freiwillig zu den Landstürmern.
Auch die sechzehnjährige Viktoria wollte unbedingt mit dabei sein, und sie setzte es tatsächlich durch, dass sie 1915 mit ihrem Vater zum Landsturminfanterie-bataillon Innsbruck II einrücken konnte.
Nur wenige Offiziere wussten, dass "der Soldat" Viktoria Savs ein Mädchen war. Sie bewährte sich aber wie ein richtiger Frontsoldat als Tragtierführer und Meldegänger. Im Dezember 1916 kämpfte sie am Zinnenplateau, und im April 1917 eskortierte sie allein eine Gruppe gefangener Italiener bei schwerem Artilleriefeuer. Im Mai 1917 wurde ihr durch einen Felssturz, ausgelöst durch einen Granateinschlag, der rechte Fuß zertrümmert. Im Feldlazarett in Sillian wurde ihr rechtes Bein unterhalb des Knies amputiert, und nun kam man ihrem Geheimnis auf die Spur, nämlich dass sie ein weiblicher Frontsoldat war. Für ihre Tapferkeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Viktoria Savs  verstarb am Sylvestertag 1979 in Salzburg.
 Angela Nikoletti
Dieser Name verweist in die Zeit des Faschismus: deutsche Schule und deutsche Sprache waren verboten, aber beherzte Männer wie Kan. Michael Gamper, Dr. Josef Noldin und Rudolf Riedl gründeten mit Nordtiroler Hilfe eine Notschule ("Katakombenschule"). Angela Nikoletti, die in Zams zur Lehrerin ausgebildet worden war, verschrieb sich ebenso dieser Aufgabe, wohl wissend, dass es streng verboten war, Deutschunterricht zu geben. Immer wieder wurde sie von der faschistischen Polizei abgefangen und massiv bedroht; trotzdem ließ sie nicht davon ab, die Kinder um sich zu versammeln und sie Lesen und Schreiben zu lehren. Angela Nikoletti kam ins Gefängnis und wurde schließlich aus ihrer Heimatgemeinde Kurtatsch verwiesen. Die Folge all dieser Repressalien war eine schwere Krankheit, an der sie 25jährig verstarb.

 

Letzte Aktualisierung: 07.07.2003
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