Gedenkfeier zum 50. Todestag von Freiheitskämpfer Anton Gostner
Kategorie: Südtiroler Schützenbund
Von: SSB - Online Team
Sonntag, 08. Januar 2012
ST. ANDRÄ – Am Samstag, den 7. Jänner 2012 fand in St. Andrä anlässlich des 50. Todestages des ehemaligen Süd-Tiroler-Freiheitskämpfers der 1960iger Jahre Anton Gostner eine sehr würdige Gedenkfeier statt. Anton Gostner, der Bacherbauer in St. Leonhard, starb im Alter von nur 41 Jahren an den Folgen grausamer Folterungen im italienischen Gerichtsgefängnis in Bozen am 7. Jänner 1962. Über 10.000 Menschen aus ganz Tirol machten damals Anton Gostners Beerdigung zu einer beeindruckenden politischen Kundgebung.
Gekommen waren zu dieser Gedenkstunde neben den rund 100 Schützen, die Familie Gostner, die Landtagsabgeordnete Eva Klotz, einige Mitglieder des Südtiroler Heimatbundes sowie die Mitglieder der Bundesleitung des Südtiroler Schützenbundes Bundesgeschäftsführer Mjr. Günther Ploner, Bezirksmajor Helmut Oberhauser, Mjr. Efrem Oberlechner und Mjr. Günther Mairhofer.
Nach der Aufstellung marschierten die Abordnungen zusammen mit der Ehrenkompanie St. Andrä zur Pfarrkirche. Dort zelebrierte Pfarrer Jakob Ploner die heilige Messe, welche vom Kirchenchor St. Andrä musikalisch gestaltet wurde.
Anschließend versammelten sich die Teilnehmer - darunter zahlreiche Zivilpersonen - im Friedhof, wo der Ehrenobmann des Südtiroler Heimatbundes Sepp Mitterhofer, ein ehemaliger Mithäftling Gostners, die Gedenkansprache hielt. Er erinnerte zunächst an die letzte Stunde Anton Gostners im Gefängnis von Bozen. Gostner starb in der gemeinsamen Zelle in den Armen Mitterhofers. Danach schilderte er die brutalen Folterungen, denen Anton Gostner hilflos ausgeliefert war. Er wurde nackt mit dem Rücken auf die berühmte "Casetta" gelegt und an den Geschlechtsteilen gequält. Viel schlimmer sei aber gewesen, dass ihm die Folterer eine Art Säure in den Mund schütteten und ihm die Nase zuhielten, was zu Erstickungsanfällen geführt habe. "Wenn man nackt in einem Raum sieben, acht hasserfüllten Männern gegenübersteht, denen man machtlos ausgeliefert ist, dann fühlt man sich wie ein kleiner Wurm, auf dem die halbe Menschheit herumtrampelt", so Mitterhofer.
Abschließend kritisierte der Gedenkredner sehr scharf den italienischen Staat, der bis heute nicht den Mut aufgebracht habe, sich für diese Gräueltaten der damaligen Zeit zu entschuldigen, sowie durch eine Begnadigung der fünf im Exil lebenden Süd-Tiroler-Freiheitskämpfer Sepp Forer, Siegfried Steger, Heinrich Oberleiter, Prof. Erhart Hartung und Peter Kienesberger einen endgültigen Schlussstrich zu ziehen. Mitterhofer beendete seine Rede mit den Worten: "Lieber Toni, dein Einsatz und dein großes Opfer für die Heimat, soll uns allen Mut und Kraft geben, unser gemeinsam angestrebtes Ziel weiter und zu Ende zu führen!".
Musikalisch gestaltet wurde die Gedenkfeier von einer Bläsergruppe. Nach der Ehrensalve durch die Schützenkompanie St. Andrä unter dem Kommando von Hauptmann Hubert Larcher, wurde zur Weise des „Guten Kameraden“ am Grab Gostners ein Kranz niedergelegt. Mit der Landeshymne endete die würdige Gedenkfeier im Friedhof.
Alsdann begaben sich die Anwesenden in den Pfarrsaal, wo die Ausstellung "50 Jahre Feuernacht" gezeigt wurde. Nach einer kurzen Begrüßung durch Hauptmann Hubert Larcher führte Bezirkskulturreferent Lt. Josef Kaser in die Ausstellung ein. Gezeigt wurden unter anderem Exponate, wie die Schützentracht von Jörg Klotz, der Rucksack von Siegfried Steger, selbst gebastelte Zeitzünder sowie verschiedene Folterbriefe. Der Schwerpunkt der Ausstellung wurde auf Anton Gostner gelegt, dessen Leben in Wort und Bild auf mehreren Großleinwänden wiedergegeben wurden.
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