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Podiumsdiskussion "Aktion Beinhaus" in Mals: Großes Interesse und Bedarf einer baldigen Lösung

Kategorie: Südtiroler Schützenbund, Referate, Bildung

Von: SSB - Online Team
Freitag, 02. Dezember 2011

Am Podium: Donato Seppi, Hans Heiss, Karl Zeller, Peter Kaserer, Harald Stauder, Peppi Stecher, Sven Knoll und Sepp Noggler (von links).

MALS - Zu einer Informationsveranstaltung unter dem Motto "Vergessen ja, vergeben nein!" hatten am 1. Dezember 2011 die Vinschger Schützen geladen, um über das Beinhaus in Burgeis zu diskutieren.

Der Bezirksmajor-Stellvertreter Martin Wielander konnte weit über 300 Interessierte begrüßen, die in den voll besetzten Saal des Kulturhauses Mals gekommen waren und die das große Interesse der Bevölkerung an diesem Thema bewiesen.

Einleitend gingen die Historikerin Margareth Lun, der Kulturreferent des Schützenbundes Günther Morat und Pater Christoph Waldner OT in Impulsreferaten auf die historischen Hintergründe der Ossarien in Oberitalien, auf den Missbrauch der faschistischen Relikte in Südtirol sowie auf die Frage der Pietät ein, bevor Harald Stauder als Moderator die Podiumsdiskussion eröffnete.

Kabg. Karl Zeller, die Landtagsabgeordneten Hans Heiss, Sven Knoll, Sepp Noggler, Donato Seppi sowie Bezirksmajor Peter Kaserer erläuterten ihre Positionen und gingen auf mögliche Lösungsvorschläge ein.

Wie erwartet war für Donato Seppi das weitere Bestehen des Ossariums ebenso selbstverständlich wie die weitere Nutzung zu politischen Zwecken. Allerdings räumte er ein, dass er sich neben der Tricolore auch andere Fahnen vorstellen könne.

Karl Zeller erläuterte die rechtlichen Voraussetzungen und erklärte, dass alle nationalistischen Denkmäler in Staatsbesitz seien und das Land dafür keine Zuständigkeit hätte. Sowohl das Aufstellen von Tafeln, als auch deas Schleifen bedürfe der Genehmigung des Staates. Er und sein Kollege Siegfried Brugger hätten in Rom ihre Arbeit getan; der Bondi-Vertrag sei ein Verwaltungsakt und hätte immer noch Gültigkeit; nun läge es am Land, weitere Schritte einzuleiten.

Peter Kaserer betonte, dass ein einseitiger Friede keine Lösung sein könne, da eine Seite still sei, und die andere darüber triumphiere. Pietät ja, aber nicht auf Kosten der Duldung von faschistischen Relikten, die immer noch politisch instrumentalisiert werden, so Kaserer.

Peppi Stecher meinte, dass das Beinhaus besonders dann immer wieder ins Bewusstsein rücke, wenn dort irgendwelche Aktionen gesetzt würden. Der Text auf den Erklärungstafeln sei für ihn viel zu lang, und vor allem stünden sie an falscher Stelle, so Stecher.

Sven Knoll sieht die Tafeln ebenso wie ein eventueller musealer oder kirchlicher Überbau - Pater Christoph Waldner hatte eine Totenkapelle über dem Ossarium vorgeschlagen - als Ausdruck der Hilfslosigkeit und des fehlenden Mutes. Man  könne den Gefallenen nur Würde erweisen, wenn man ihre Gebeine mit allen militärischen Ehren im Kriegerfriedhof in Spondinig beisetzen würde; dann könne auch das Beinhaus geschleift werden. Dieselbve Meinung vertrat auch Sepp Noggler: "Das Beinhaus gehört weg", so der Altbürgermeister von Mals.

Für eine Beihaltung des Beinhauses als geschichtliches Dokument in Stein sprachen sich hingegen der Historiker Hans Heiss sowie Karl Zeller aus, wobei beide die Meinung vertraten, dass die Umbettung der Gebeine in geweihte Erde eine gute Lösung sei, die das Problem entschärfen würden. Wichtig sei der entschiedene Wille hier im Vinschgau, die Lösung dieses Problems dürfe nicht allein Bozen und Rom überlassen werden, so Heiss.

Anschließend nutzten zahlreiche Zuhörer aus dem Publikum die Möglichkeit, Fragen an die anwesenden Politiker zu stellen oder ihre Meinung zu äußern. Besonders aufhorchen ließ die Stellungnahme von Hans Duffek als Vertreter des Schwarzen Kreuzes, der erläuterte, dass die Umbettung von sterblichen Überresten in die Heimatgemeinden der Betroffenen oder in andere Friedhöfe in Italien große Tradition habe und dass das Schwarze Kreuz auch heute immer noch mit solchen Aktionen betraut würde.

Die lebhaft geführte Diskussion und die vielen kritischen Fragen aus dem Publikum zeigten einmal mehr auf, wie sehr dieses Thema die Gemüter bewegt und wie dringend es einer Lösung bedarf.

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