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Das neue Geschichtsbuch für Südtiroler Oberschulen

Kategorie: Südtiroler Schützenbund, Referate, Bildung, Kultur

Von: SSB - Online Team
Donnerstag, 22. September 2011

Das neue Geschichtsbuch
Dr. Margareth Lun

Inhaltlich brauchbar, aber didaktisch hoffnungslos veraltet

BOZEN - Mit großer Spannung wurde das Geschichtsbuch "Tirol in der Neuzeit. Übergänge und Perspektiven 2" erwartet, das den Südtiroler Oberschülern der verschiedenen Sprachgruppen unsere Landesgeschichte näher bringen soll.

Während der Inhalt durchaus vertretbar ist und das Buch eine recht gute Zusammenschau der einzelnen kulturellen Bereiche und Entwicklungen bietet, so enttäuscht es als Lehrbuch auf ganzer Linie.

Zwar sind durchaus aussagekräftige, auch zum Teil bisher unbekanntere Bilder eingesetzt, doch sind die Seiten überfüllt mit Text, überladen, unübersichtlich, und für Schüler mühsam zu lesen. Die Bildtexte umfassen oft über 30 Zeilen.

Aber vor allem vom Didaktischen ist das neue Geschichtsbuch platt und veraltet geraten.

Die wichtigsten, markanten Ereignisse plakativ aufgelistet in eigenen Kästen hervorzuheben, mehr Grafiken, mehr Landkarten zur besseren Orientierung, Ausschnitte aus Originalquellen und übersichtliche Zeitleisten, die unsere Landesgeschichte in den Kontext der Geschichte Europas stellen, das sind Mittel, die sich seit Jahrzehnten bei Schülern und Lehrern bewährt haben und bereits in das vor 20 (!) Jahren erschienene "Geschichte für Südtiroler Mittelschulen" aufgenommen wurden. Unverständlich, wieso nicht darauf zurückgegriffen wurde.

Auch Fragen, Denkanstöße und Hinweise auf weiterführende Literatur sucht man in diesem neuen Schulbuch vergebens.

Vor allem erstaunt, dass nicht ein einziges Mal auf neue Medien/Internet Bezug genommen wurde!

Was aber vor allem den Schülern die Lust nehmen wird, sich selbst Geschichte anzueignen, das ist wohl die Sprache, mit der sich die Autoren als Intellektuelle präsentieren wollten ("Dass das Gelöbnis von 1796 mitunter […] zur Entwicklung polarisierender Feindbilder, anfechtbarer geschichtstheoretischer Modelle und apokalyptischer Visionen missbraucht wurde, entsprach nicht der ursprünglichen Intention."), die aber die Jugendlichen eher abschreckt als neugierig macht.

Schade um die vertane seltene Chance, etwas wirklich Brauchbares, Ansprechendes für den Geschichtsunterricht zu schaffen! Unverständlich, wieso für dieses hoffnungsvolle, teure Projekt nicht die Zusammenarbeit mit einem unterrichtserfahrenen Lektorenteam und vor allem mit der Pädagogischen Fakultät der Universität Bozen in Anspruch genommen wurde. Ein modernes, geschichtspädagogisch wertvolles Lehrbuch sieht jedenfalls anders aus.

Dr. Margareth Lun
Historikerin und Lehrerin sowie Ehrenkranzträgerin des Südtiroler Schützenbundes

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Kein Staat der Erde kann auf die Dauer einem Volk die Selbst- bestimmung vorenthalten, auch Italien den Südtirolern nicht, aber wollen und fordern muss man sie!

Felix Ermacora (* 13. Oktober 1923 in Klagenfurt; "  24. Februar 1995 in Wien)

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