Pressekonferenz der Vinschger Schützen beim Beinhaus Burgeis
Kategorie: Südtiroler Schützenbund
Von: SSB - Online Team
Freitag, 19. August 2011
BURGEIS - Der Schützenbezirk Vinschgau hielt am Donnerstag, den 18. August 2011, ein Pressekonferenz im Beinhaus von Burgeis ab. Dabei nahm die Führung der Vinschger Schützen Stellung zum faschistischen Relikt Beinhaus Burgeis.
Eingeleitet wurde die Pressekonferenz durch Stellungnahmen einzelner Hauptleute. Im Anschluss an diesen appellierte der Bezirksmajor Peter Kaserer an die Bevölkerung und Politiker des Vinschgaus.
Nachfolgend die Stellungnahme und der Appell der Vinschger Schützen.
Gedanken zum Beinhaus, Mjr. Peter Kaserer:
Moralisch gesehen ist es verwerflich wenn man Tote für politische Zwecke missbraucht. Menschliche Überreste aus geweihter Erde zu reißen um einem geknechteten Volk zu zeigen wer der Herr ist, kaum in Worte zu fassen. Dass man hier mit dem Beinhaus Burgeis der Welt eine Lüge als Wahrheit verkauft, ist ohne Zweifel die Tat eines faschistischen Regimes. Dass wir überhaupt hier stehen müssen um der Öffentlichkeit dieses Unrecht vor Augen zu führen, zeugt von Gleichgültigkeit und falschem Toleranzverständnis.
Das ist der Grund wieso wir hier sind. Nach über 70 Jahren scheint der Schandfleck der Malser Heide so vielen gleichgültig geworden zu sein. Wir aber stehen heute hier, weil es uns nicht egal ist. Und mit uns sind noch viele andere Landsleute dieser Meinung. Deren Sprachrohr wollen wir sein.
Nach den großen Versprechungen der Politik und den Diskussionen in den Medien, scheint es fast so als würde wieder alles im Sande verlaufen. Es ist der Landesregierung gelungen an Ort und Stelle Erklärungstafeln anzubringen. Das ist ein erster guter Schritt in die richtige Richtung, darf aber keine Ausrede zum Verdrängen der Geschichte sein. Man kann eine Schandtat verzeihen. Nur vergessen dürfen wir eines nicht, dass man sich für das was unserem Volk angetan wurde, niemals entschuldigt hat.
Wir, sind gegen das Vergessen und für eine lückenlose Aufarbeitung der Geschichte. Wir sind für eine kompromisslose Klärung dieses Missstandes und gegen jegliche Verherrlichung des Faschismus. Dazu gehören auch jene Huldigungen, die hier unter dem Vorwand der Totenehrung immer noch vollzogen werden. Keiner der Namen auf diesen Plaketten wurde hier bestattet. Sie wurden hierher gekarrt um uns zu zeigen wer der Herr ist und das dulden wir nicht länger.
Wir setzen nach wie vor auf unsere Politiker. Unsere Vinschger Abgeordneten und Bürgermeister sollen sich im Sinne der Bevölkerung, für eine endgültige Lösung dieser Provokation einsetzen.
Wir Vinschger Schützen fordern die Öffentlichkeit auf, sich dieses Themas anzunehmen. Es soll darüber nachgedacht und auf breiter Ebene darüber diskutiert werden. Lösungsansätze gibt es viele. Nur muss es eine Lösung sein die wohl überlegt ist und ein „Vergeben und Verzeihen“ auf Dauer sichern kann. Diese in Stein gehauene Lüge muss endlich auf dem Müllhaufen der Geschichte entsorgt werden. Die Zeit dafür ist reif und wenn wir zusammenhalten, schaffen wir es auch. Wenn nicht jetzt wann dann?
Bezirksmajor-Stellvertreter Martin Wielander:
Sie befinden sich vor einem Beinhaus.
Faschistische Machthaber haben im Zuge ihrer "nationalistischen Glorifizierung" die Gebeine von Soldaten, die in verschiedenen Teilen Italiens gefallen oder in Kriegsgefangenschaft verstorben sind, exhumiert und hier beigesetzt.
Diese in den 30er Jahren errichtete Grabstätte soll bis heute eine völlig verdrehte Tatsache glaubhaft machen: Die in diesen Beinhäusern beigesetzten Soldaten wären für die "Befreiung Südtirols" gefallen.
In Wirklichkeit haben die italienischen Truppen bei ihrem Angriffskrieg 1915-1918 gegen Österreich-Ungarn im südlichen Tirol nie nennenswerte Gebietsgewinne gemacht und Tiroler Boden de facto kaum betreten.
Hier, abseits von den Kriegsschauplätzen, haben faschistische Machthaber zudem sogar Angehörige der österreichisch-ungarischen Streitkräfte in den Ossarien eingebaut, sie zu "soldati italiani" gemacht und ihnen ihre deutschen Namen genommen. Heute sind die Beinhäuser ein mahnendes Beispiel dafür, dass Regimes nicht davor zurückschrecken, Verstorbene für die eigenen politischen und propagandistischen Zwecke zu missbrauchen. Sie sind aber auch ein lebendiges Beispiel dafür, dass moderne Demokratien nicht imstande sind, 60 Jahre nach Ende der faschistischen Ära der Wahrheit zu ihrem Recht zu verhelfen.
Hauptmann Ulrich Sprenger, SK Burgeis:
Die Absichten des Staates
Das Ossarium wurde vor 80 Jahren bewusst hier in Grenznähe errichtet, um den Leuten den Eindruck zu vermitteln, dass die hier begrabenen Soldaten für diese Grenze gefallen seien. Tatsache aber ist, dass die Malser Haide im 1. Weltkrieg nie Kriegsschauplatz war. Auch sind viele Soldaten, die im Beinhaus beigesetzt sind, erst nach dem 1. Weltkrieg gestorben. Im April 1938 exhumierte man Leichen vom Soldatenfriedhof von Bozen im Auftrag der faschistischen Führung und brachte sie nach Burgeis. Dabei wurden auch österreichische Soldaten zu italienischen Gefallenen umfunktioniert und im "Boanerturm" bestattet. Es war also eine großangelegte Geschichtsfälschung was damals betrieben wurde, und diese Fälschung besteht bis heute.
Hauptmann Arno Rainer, SK Goldrain:
Woher kommen die Toten (I)
Ist dies ein Soldatenfriedhof? David Mariottini war ein italienischer Soldat. Er liegt hier begraben. Ein Soldatenfriedhof ist eine Grabstätte für gefallene Soldaten. Gefallene sterben durch Gewalteinwirkung. David Mariottini ist ertrunken. Gefallene sterben im Krieg. David Mariottini starb in Friedenszeiten. David Mariottini war ganz sicher ein Soldat aber kein Gefallener. Ein Soldatenfriedhof liegt entweder am Kriegsschauplatz, bei einem Gefangenenlager oder bei einem Lazarett. David Mariottini war hier nicht im Lazarett und nicht in Gefangenschaft. Und Kriegsschauplatz war die Malser Heide schon gar nicht. Manchmal werden gefallene Soldaten auch in ihre Heimatorte überführt oder auf Ehrenfriedhöfen in der Heimat beerdigt. David Mariottini war hier nicht zu Hause. Genauso wenig waren die anderen italienischen Soldaten hier zu Hause. David Mariottini wurde 1896 in der Toskana geboren. Er starb 1919 bei einem Badeunfall in Siebeneich. Er wurde auf dem Friedhof von Terlan begraben. 1938 wurden seine Überreste ausgegraben und hierher gebracht. Seitdem liegt er hier als "Gefallener für die Befreiung Südtirols". Dies ist kein Soldatenfriedhof! Dies ist eine steinerne Lüge! Und David Mariottini ist eines der vielen Opfer dieser Lüge.
Hauptmann Tobias Wiesler, SK Taufers:
Woher kommen die Toten (II)
Brunner Sebastian, - Blaas Johann, - Larcher Alois, - Schönecker Peter, - Oberrössler Philipp und - Wenger Sebastian, waren Soldaten der K.u.K Armee. Diese Männer die für ihr Vaterland Österreich in den Krieg zogen um die Heimat Tirol vor dem Feind zu schützen und an der Front ihr Leben ließen, wurden in den damaligen k.u.k Friedhöfen beerdigt.
20 Jahre später wurde die Ehre dieser Männer mit Füssen getreten. Sie wurden vom faschistischen Regime exhumiert und hier her gebracht. Da angekommen wurden diese Soldaten von Italien auf einmal zu CADUTI ITALIANI, obwohl sie an der Front ihr österreichisches Heimatland gegen den italienischen Angreifer verteidigten. Diese Männer sind Opfer einer Lüge, die uns dieser Staat hier an diesem Ort erzählen will.
Hauptmann Markus Huber, SK Tschars:
Der Fall Friedrich Rainer
Ich erinnere an den Tod von Friedrich Rainer. Laut offiziellen Mitteilungen der italienischen Behörden soll am 9. Oktober 1964 der 25-jährige FRIEDRICH RAINER aus Riffian beim Versuch, das Beinhaus zu sprengen, sich während des Scharfmachens der Sprengladung versehentlich in die Luft gesprengt haben.
Der bis zur Unkenntlichkeit zerrissene Leichnam konnte nur durch einen in der Nähe gefundenen, völlig unversehrten Personalausweis festgestellt werden. Laut den ermittelnden Behörden geschah das Unglück am 8. Oktober.
Soweit die offizielle Version die man stark anzweifeln darf. Denn Rainer hatte sich kurze Zeit vorher bei Mitgliedern des BAS in Nordtirol Sprengstoff besorgt und plante mit Hilfe eines anderen Südtirolers wirklich, den faschistische Schandfleck zu sprengen. Da Rainer aber den Verdacht bekam, dass sein Südtiroler Bekannter ein italienischer Spitzel sein könnte, wollte er den Anschlag alleine, aber immer noch zum selben Zeitpunkt durchführen. Das könnte ihm zum Verhängnis geworden sein.
Ein Bauer aus der Umgebung hörte bereits am Tag vorher, am 7. Oktober, eine laute Detonation. Ebenfalls wurde am selben Tag von zwei Personen beobachtet, wie Carabinieri und Soldaten, die offensichtlich im Hinterhalt gelegen waren, einen jungen Mann stellten und wegbrachten.
Was geschah wirklich? Wurde Rainer das Opfer dieses Spitzels, der ihn an die italienischen Behörden verraten hatte? Wurde Friedrich Rainer verhaftet, verhört und zu Tode gefoltert? Wollten die Verantwortlichen durch den vorgetäuschten Unfall die Beweise ihres Verbrechens zerstören? Warum war der Personalausweis völlig unversehrt, während der Körper des Opfers völlig zerrissen wurde?
Bis heute herrscht über den Vorfall totale Unklarheit und die betroffenen italienischen Behörden haben bis heute nicht dazu beigetragen, die Unklarheiten und Widersprüche aufzuklären.
Verzeichnis der in der Pfarre Terlan
im Jahre 1919 gestorbenen Personen
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