Schützenbund sieht sich nach Umfrage bestätigt
Kategorie: Südtiroler Schützenbund
Von: SSB - Online Team
Dienstag, 02. August 2011
BOZEN - Der Südtiroler Schützenbund sieht sich in seinem Bestreben für die Wiedervereinigung Tirols nach der jüngsten Umfrage der Uni Innsbruck einmal mehr bestätigt. Das Institut für Soziologie wollte mit dieser Umfrage ein Stimmungsbild der Tiroler Gesellschaft in Nord- und Osttirol angesichts zukünftiger Herausforderungen zeichnen.
Dem Südtiroler Schützenbund fällt in der Auswertung der Umfrage besonders auf, dass viele der Befragten den Stolz, in Tirol zu leben auch gerne nach außen zeigen. Laut Umfrage geben demnach vielen Tirolerinnen und Tiroler Zeichen der Zugehörigkeit wie die Fahne, die Tiroler Tracht oder der Dialekt Orientierung und Sicherheit.
Die Tatsache, dass für jeden Zweiten die TeilungTirols tiefe Wunden hinterlassen hat, zeigte sich ebenfalls in der Umfrage. Für den Südtiroler Schützenbund ist dies ein Indiz dafür, dass sich die Tiroler nördlich und östlich des Brenners alles andere als mit der Situation abgeben wollen. Für Landeskommandant Elmar Thaler Genugtuung und Bestätigung zugleich.
Der Südtiroler Schützenbund wird sich weiterhin mit ganzer Kraft zusammen mit den anderen Schützenbünden um die weitere Annäherung der Tiroler Landesteile bemühen. "In einer Zeit, in der die Grenzen in Europa durchlässig geworden sind, sollte auch die politische Wiedervereinigung Tirols endlich angegangen werden", so Landeskommandant Elmar Thaler.
Zur Umfrage:
Wissenschaftler der Universität Innsbruck haben die Einstellungen der Tirolerinnen und Tiroler zu ihrem Bundesland ermittelt.
Die Befragung führten Mitarbeiter und Studenten des Institutes für Soziologie durch: Für die Studien wurden 29 biographische Interviews sowie 500 repräsentative telefonische Interviews mit Nord- und Osttirolern aller Bevölkerungsschichten durchgeführt. Das Ziel: Ein Stimmungsbild der Tiroler Gesellschaft angesichts zukünftiger Herausforderungen in einer globalisierten Welt zu zeichnen.
Stark verwurzelt
"Die Liebe der Tirolerinnen und Tiroler zu ihrem Land nimmt manchmal schon körperliche Dimensionen an", fasst Studienautorin Elisabeth Donat die Ergebnisse zusammen. "Etwa verwenden die Befragten in den biographischen Interviews eine Vielzahl von physischen Metaphern wie das Herz, die fünf Sinne oder das Blut für die Verbundenheit mit Tirol."
Rund 85 Prozent der Befragten in der Fragebogenerhebung fühlen sich in Tirol verwurzelt und lieben ihr Land. Die Lebensqualität in Hinblick auf Umweltbedingungen und Ausbildungsmöglichkeiten wird als sehr gut beschrieben, skeptischer sind die Befragten bezüglich des Sozialsystems und der Bedingungen am Arbeitsmarkt.
Auch die Einschätzung, ob die Tiroler Gesellschaft nun als offen oder als geschlossen und exklusiv bezeichnet werden kann, erzeugt gemischte Gefühle bei den Befragten: Von jenen Befragten, die Tirol als geschlossen erleben, stufen immerhin 63 Prozent den Zusammenhalt in der Gemeinschaft als "schlecht" ein.
Stolz auf das Land Tirol
Den Stolz, in Tirol zu leben, tragen viele der Befragten auch nach außen: Zeichen der Zugehörigkeit wie die Fahne, die Tiroler Tracht oder der Dialekt geben Orientierung und Sicherheit. Drei Viertel der Befragten sind auch stolz darauf, dass Tirol so gerne von Touristen besucht wird.
50 Prozent lehnen Bau von Minarette ab
Bei dauerhafter Zuwanderung verhärten sich die Fronten allerdings: 80 Prozent der Befragten wollen, dass neue Zuwanderinnen und Zuwanderer sich unbedingt den vorherrschenden Regeln anpassen sollen und machen sich große Sorgen um eine Benachteiligung der "Alteingesessenen". Auch, dass mehr als 50 Prozent der Befragten den Bau weiterer Minarette in Tirol ablehnen, kann zumindest als Skepsis gegenüber fremden Kulturen interpretiert werden.
Südtirol-Abtrennung hat "tiefe Wunden" hinterlassen
Die Studie zeigt außerdem deutlich auf, dass die Geschichte Tirols ein aufwühlendes Thema bleibt: Nur ein geringer Teil der Untersuchungsteilnehmer weiß nichts mit dem Tiroler Freiheitskampf anzufangen.
Für rund 60 Prozent der Befragten ist Andreas Hofer noch heute ein Held und viele wünschen sich, dass die Tiroler wieder so zusammenhalten wie am "Bergisel".
Ähnlich das Ergebnis zu Südtirol: "Jeder zweite Befragte stimmt der Aussage zu, dass die Trennung von Südtirol tiefe Wunden hinterlassen hat", so Donat.
Konservative Werte dominierend
Dass die Tiroler Gesellschaft neben ihrer Geschichte sehr stark von konservativen Werten geprägt ist, lässt sich ebenfalls an den Daten ablesen: Etwa gibt es für die Werte "Respekt vor Autoritäten" (63 Prozent) und "Gehorsam gegenüber den eigenen Eltern" (73 Prozent) hohe Zustimmung.
70 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass es jede und jeder in Tirol schaffen kann wenn er oder sie nur hart genug arbeitet - und negieren somit behindernde Einflüsse, die außerhalb des Einflusses der einzelnen Person liegen.
Demgegenüber stimmt nur ein Drittel der Befragten der Aussage zu, dass der Vater das Oberhaupt in einer Tiroler Familie ist.
"Diese starken Wertestrukturen verhindern jedoch unter Umständen die Chance, neuen Herausforderungen offen gegenüber zu stehen", meint Donat: So ist jeder zehnte Befragte dagegen, dass homosexuelle Lehrer in Tiroler Schulen unterrichten dürfen. Neben der allgemeinen Wertestruktur untersuchte die Studie auch aktuelle Themen wie die Missbrauchsvorfälle in der katholischen Kirche. Für fast alle Befragten ist eine Aufklärung der Missbrauchsfälle wichtig, doch das bedingungslose Vertrauen in die katholische Kirche scheint passé zu sein: So traut nur ein Drittel der Befragten der katholischen Kirche zu, diese Missbrauchsfälle selber lückenlos aufzuklären.
Zukunftspotentiale
Die starke Verbundenheit der Tiroler mit ihrem Land lässt Partizipation und Mitgestaltung in Tirol nicht bloße Schlagwörter bleiben.
Wären etwa die Befragten vom Bau einer Fernverkehrsstraße in ihrer unmittelbaren Wohngegend betroffen, würde jeder und jede zweite Befragte in Erwägung ziehen, auch öffentlich bei Medien oder Behörden aufzutreten.
Die Tiroler zeichnet außerdem eine hohe soziale Kompetenz aus: Sie sind nicht nur Vereinsmenschen, sondern auch im privaten Bereich sehr aufmerksam: So geben 73 Prozent der Befragten an, sich um ihre Nachbarn zu sorgen und zwei Drittel der Befragten helfen ihren Nachbarn regelmäßig.
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