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Fahnenweihe der Schützenkompanie "Luis Egger" St. Walburg

Kategorie: Südtiroler Schützenbund

Von: SSB - Online Team
Montag, 25. Juli 2011

ST. WALBURG I. ULTEN - Am Sonntag, den 24. Juli 2011 hat die Fahnenweihe der Schützenkompanie von St. Walburg in Ulten stattgefunden, welche sich vor zwei Jahren den Beinamen des Ultner Freiheitskämpfers Luis Egger gegeben hatte. Ihm zu Ehren wurde nun eine neue Fahne angeschafft.

Hier einige Eindrücke

Festansprache von Landeskommandant Elmar Thaler

Verehrte Festgäste!

Als Landeskommandant überbringe ich euch, liebe ausrichtende Kompanie, mit Freude die Grüße des Südtiroler Schützenbundes und gratuliere euch zu eurer neuen Fahne.

Es ist immer ein gutes Zeichen, wenn sich Gleichgesinnte unter einer Fahne sammeln. Das haben sie hier in St. Walburg schon 1704 gemacht, als damals als im Zuge des Spanischen Erbfolgekrieges die Bayern nach Tirol einmarschiert sind und die Walburger Schützen zusammen mit den übrigen Ultner Schützen ausgezogen sind um die Heimat zu verteidigen. Und so wie damals macht man es heute, man sammelt sich unter einer Fahne, einem Zeichen derer, die gemeinsames beharrlich ein Anliegen verfolgen.

Vor allem die Freiwilligkeit, mit der diese Beharrlichkeit umgesetzt wird, ist ein prägendes Merkmal unserer Gemeinschaft.

Einer dieser Freiwilligen war Luis Egger, der Namensgeber eurer Kompanie. Selbst Katakombenschüler, war er ein uneigennütziger Mensch, der stets für das Gemeinwohl eintrat. 1959 steckte er seine ganze Energie in die Gründung der Schützenkompanie St. Walburg, deren Hauptmann er 1960 wurde und es auch die Jahre der Haft hindurch bis zu seinem Tode 1982 blieb. 1961 war Luis Egger einer jener Menschen, die nicht länger zusehen wollten, wie unsere Volksgruppe immer mehr unterdrückt und letztendlich dem sicheren Untergang preisgegeben wurde. Er beteiligte sich an Sprengstoffanschlägen, nicht an solchen, wie wir sie am vergangenen Freitag in Oslo gesehen haben, sondern an Sprengstoffanschlägen, die zwar für viel Aufsehen sorgen, aber Menschenleben schonen sollten. Am 17. August 1961 wurde Egger verhaftet und in die Kaserne von St. Pankraz gebracht, wo er schwer misshandelt wurde. Jahrelange Kopfschmerzen, ein bleibender Gehörschaden und Invalidität waren die Folgen. Nach seiner Haftentlassung 1966 widmete er sich dem weiteren Ausbau des Schützenwesens.

Seine Beharrlichkeit war wie die von so vielen anderen vorbildhaft. Beharrlichkeit wird heutzutage ja zuweilen mit Eigensinn verwechselt. Dabei sagte schon ein der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Thomas Jefferson einmal, "Große Werke werden nicht durch Stärke, sondern durch Beharrlichkeit vollbracht."

Und so ist es auch, wenn es um die Heimat geht. Es ist gottseidank undenkbar, dass kriegerische Auseinandersetzungen die Zukunft unserer Heimat herbeiführen werden, sondern es hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Beharrlichkeit und vor allem eine vorausschauende und offene Einstellung zielführend ist.

23% wünschen sich einen eigenen Staat, 59% mehr Rechte. Was ich hier zitiere ist nicht eine Umfrage eines Meinungsforschungsinstitutes in Südtirol sondern einen Umfrage der renommierten CSU – Hanns Seidl Stiftung aus dem Jahre 2010 und betrifft Bayerns Zugehörigkeit zu Deutschland.

Wir sehen also, nicht nur bei uns, sondern auch andernorts wünschen sich viele Menschen Veränderung. Und während man früher geglaubt hat, Italien wird Südtirol nie mehr preisgeben, steht es mittlerweile nicht einmal mehr fest, wie es mit Italien angesichts der enormen Schuldenlast überhaupt noch weiter existieren wird.

Wie wichtig dieses Streben nach Wiederherstellung der Tiroler Landeseinheit - unabhängig von allen patriotischen Überlegungen -  ist, zeigen zum Beispiel die Wirtschaftsdaten, die kürzlich von der britischen Wochenzeitschrift "The Economist" veröffentlicht wurden.

Italien hat demnach in den Jahren 2000 bis 2010 ein durchschnittliches Wachstum des realen Bruttoinlandsproduktes von sage und schreibe nur 0.25 % nachweisen können: ein Wert den weltweit nur zwei Länder unterboten haben – Haiti und Zimbabwe! Wenn die Staatsverschuldung dann noch – gemessen am Bruttoinlandprodukt – knapp an der 120%-Marke kratzt, dann muss man wohl kein Hellseher sein, um zu erkennen, dass Italien ernsthaft Gefahr läuft, aufgrund der prekären Situation nicht einmal mehr die Autonomie Südtirols garantieren zu können. Die Autonomie Südtirols wird bei den geplanten Einsparungen von zusätzlichen 70 Milliarden Euro von Italien nicht mehr zu finanzieren sein, oder, andersherum gesagt: Italien wird sich dann aus dem wohlhabenden Südtirol all das holen, was es zum Überleben braucht.

Ich möchte noch ein aktuelles Beispiel dieser Tage anführen um darzustellen, wie es Italien mit Südtirol hält: Während die Queen für die Opfer der Befreiungskriege in Irland kürzlich einen Kranz niedergelegt hat, kommt etwas ähnliches Italien gar nicht in den Sinn. Nein, es erdreistet sich sogar, heute noch, 2011, die Ermordungen und Folterungen der 60er Jahre zu leugnen und eine Partei anzuzeigen, die die Feuernacht in Zusammenhang mit den Folterungen gestellt hat.

Tirol, verehrte Zuhörer, Tirol mit all seinen Landesteilen eint vor allem das: Der Drang nach Freiheit und nach selbstbestimmtem Leben. Auch in Zukunft wird eines der wichtigsten Ziele der Südtiroler Schützen sein, unsere Heimat rasch wieder geistig, kulturell und politisch näher an das Vaterland Österreich zu bringen. Überparteilich und parteiübergreifend wollen wir dafür werben, damit die Opfer vergangener Tage wenigstens nicht umsonst waren.

So bleibt mir, liebe Wallburger Schützen euch noch angesichts eurer heutigen Fahnenweihe zu wünschen, dass ihr weiterhin der Wind sein möget, nicht das Fähnlein. Seit der Wind, der in so manches verstaubtes politisches Denkmuster bläst, der manchmal alles auch kräftig durcheinanderwirbelt. Viele Politiker sagen, dass bestimmte Vorgänge nicht umsetzbar wären. Unsere Geschichtsbücher liefern aber zu Hauf Beispiele, dass selbst mächtige Weltreiche untergegangen sind und neue Staaten entstanden sind. Immer wieder.

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Konrad Hermann Joseph Adenauer, (* 5. Januar 1876 in Köln; " 19. April 1967)

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