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500 Jahre Tiroler Landlibell - Großer Festakt in Innsbruck

Kategorie: Südtiroler Schützenbund

Von: SSB - Online Team
Samstag, 25. Juni 2011

INNSBRUCK - Am Mittwoch, den 22. Juni 2011 fand in Innsbruck ein großer Festakt zum 500-Jahr-Jubiläum des "Tiroler Landlibell" statt. Trotz teilweise sehr starkem Regen wurde die Feier ein farbenprächtiges Spektakel für die zahlreichen Zuseher. Gefeiert wurde das "Landlibell", das berühmte Dokument, das vor genau 500 Jahren von Kaiser Maximilian I. und den Landständen beschlossen worden war. Es regelt die damalige Wehrverfassung und die Verteidigung des Landes vor Feinden und gilt als Geburtsurkunde für Tirols Schützen. Das Dokument bildet seit fünf Jahrhunderten eine Klammer zwischen den Ländern der Europaregion Tirol.

In einem großen Umzug sind hunderte Teilnehmer von Traditionsverbänden und Schützen des historischen Tirol, darunter auch Fahnenabordnungen sämtlicher Südtiroler Schützenbezirke sowie die Bundesleitung des SSB, vom Landestheater durch die Innsbrucker Innenstadt zum Landhausplatz marschiert. Angeführt wurden sie dabei von der Militärmusik Tirol und der Ehrenkompanie Jerzens im Pitztal.

Zu den Ehrengästen zählten neben dem Nordtiroler Landeshauptmann Günther Platter und Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle, auch Südtirols Kulturlandesrätin Sabina Kasslatter Mur sowie der Trentiner Kulturlandesrat Franco Panizza. Gemeinsam schritten sie die Ehrenformation ab.

In historischen Kostümen und mit Pferden, Falken, einem Adler und deutschen Doggen wurde das "Tiroler Landlibell" am Innsbrucker Landhausplatz dargestellt. Dabei wurde die Kaiserurkunde feierlich verlesen.

"Tirol mit all seinen Landesteilen eint vor allem eines: Das Streben nach Freiheit und selbstbestimmtem Leben. Nichts drückt dieses Streben besser aus als das Landlibell", erklärte Tirols Landeshauptmann Günther Platter in seiner Festansprache. An die Schützen gerichtet betonte der Landeshauptmann ihre Symbolkraft der Wehrhaftigkeit und des Willens zum Widerstand. "Ihr seid heute auch eine soziale Kraft, die aus unserem gesellschaftlichen Leben nicht mehr wegzudenken ist. Gerade in diesem ‚Europäischen Jahr der Freiwilligkeit' wollen wir das nicht vergessen." Die Schützen seien zum Motor der Europaregion geworden. Keine andere Organisation in unserer Gesellschaft stehe in derart starker Verbindung zu den historischen Landesteilen Tirols.

Weiterer Höhepunkt des Festaktes war ein historischer Rückblick samt Flaggenparade und der Große Österreichische Zapfenstreich.

Festansprache von Landeshauptmann Günther Platter

500 Jahre Landlibell

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Schützen aus allen Teilen Tirols!

Tirol mit allen seinen Landesteilen eint vor allem eines: Das Streben nach Freiheit und selbstbestimmtem Leben. Nichts drückt dieses Streben besser aus als das Landlibell, ein Recht, das den Tirolern vor nunmehr fast 500 Jahren von Kaiser Maximilian I. verliehen wurde.

Wie wir alle wissen, wurden darin die Tiroler Landstände ausschließlich zum Kriegsdienst innerhalb Tirols verpflichtet. Zusätzlich verbriefte das Landlibell, dass kein Krieg, der Tirol betraf, ohne Zustimmung der Landstände begonnen werden durfte. Wir alle wissen leider auch, dass dieses Recht oft gebrochen wurde…

Warum war dieses Recht trotzdem so besonders, ja was steckte denn eigentlich hinter dieser Formulierung? Ganz klar, die Tiroler wollten Frieden, sie wollten Krieg unbedingt vermeiden, waren aber dazu bereit, wenn ihr Land in Gefahr geriet.

Es ist dieser unbedingte Wille zum Frieden bei gleichzeitiger Wachsamkeit gegenüber Gefahren für die Heimat, die den Kern der Tiroler Landesidentität ausmacht - bis heute. Das Landlibell ist daher auch der eigentliche Schlüssel zum Verständnis des Schützenwesens in Tirol.

Meine lieben Schützen!

Ihr wart immer die sichtbaren Träger dieser friedlichen Verteidigungsbereitschaft. In euch lebt die Tradition fort, in eurer grenzüberschreitenden Einigkeit als "Werte-Pioniere" tragt ihr aber auch ein Symbol der regionalen Partnerschaft nach Europa hinein - unabhängig von politischen Grenzen. Über die politischen Grenzen hinweg steht ihr hier in Einigkeit beisammen und symbolisiert damit die gemeinsame Verantwortung für die Erhaltung unserer Heimat und unseres Wohlstands. Ihr symbolisiert aber auch die Wehrhaftigkeit und den Willen zum Widerstand, wenn man über uns drüberfahren will. Natürlich kämpfen wir heute mit rechtsstaatlichen Mitteln, aber das Bild, das ihr abgebt, ist Ausdruck der Kraft, der Entschlossenheit und der Beständigkeit in der Verfolgung einmal gesteckter Ziele.

Meine lieben Schützen!

Wir sind auf zwei Staaten und drei Länder aufgeteilt. Geschichte, Kultur und Tradition vereinen uns jedoch zu einer Region - einer Region mit starken Wurzeln. Die Grenzen, die uns einst behinderten, sind heute verschwunden. Sie sind verschwunden, weil wir gelernt haben, den Blick nach vorne, nach Europa zu richten. Zwar kämpft Europa derzeit noch mit einer wirtschaftlichen Krise, aber das darf uns nicht von diesem Weg des friedlichen Miteinanders abbringen. Europa wird stärker als zuvor aus dieser Krise hervorgehen. Davon bin ich überzeugt. Und ebenso bin ich überzeugt, dass unsere Zukunft in einer starken Partnerschaft als Europaregion liegt.

Welche Schlüsse können wir aus dem Landlibell für heute - und für morgen - ziehen? Natürlich verstehen wir unter Heimat auch in Zukunft in erster Linie Tirol - mit all seinen historischen Landesteilen. Natürlich hat sich der Begriff der Heimat in den letzten Jahrzehnten, vor allem seit unserem Beitritt zur Europäischen Union, aber auch erweitert. Liebe Schützen! Im Landlibell und in dem halben Jahrtausend, das seither vergangen ist, war es die meiste Zeit über eure Aufgabe, das Land - auch mit der Waffe in der Hand - zu verteidigen. Ihr ward nicht nur das Symbol, sondern auch die handfeste Ausprägung der Verteidigungsbereitschaft Tirols. Die Schützen haben - und das beeindruckt besonders - auch heute, wo der militärische Aspekt verschwunden ist, ihre Aufgabe behalten. Sie sind heute auch eine nicht mehr aus dem gesellschaftlichen Leben wegzudenkende soziale Kraft. Gerade im heurigen europäischem lahr der Freiwilligkeit darf dies nicht vergessen werden.

Und die Schützen sind auch zum Motor der Europaregion geworden. Keine andere Organisation in unserer Gesellschaft steht in derart starker Verbindung zu den historischen Landesteilen Tirols.

Die Politik in den historischen Landesteilen wird oft kritisiert, dass es noch nicht ausreichend konkrete Zusammenarbeit über die Staatsgrenzen hinweg gebe. Der Vorwurf erfolgt - so ehrlich müssen wir sein - nicht ganz zu Unrecht! Denn die Landteile tun sich heute schwer, Verbindungen, die über Jahrzehnte zerrissen waren, wieder neu zu knüpfen. Gerade hier sehe ich daher eine wichtige Aufgabe für die Schützen: Ihr soll so etwas wie der Stachel im Fleisch der Trägheit sein, wenn das Gemeinsame wieder einmal aus dem Blick zu geraten droht, wenn die Mühen der Ebene lähmen. Ihr, mit eurer tiefen Verankerung in allen Teilen der Bevölkerung könnt auch Wegweiser sein.

Ich will der oben genannten Kritik an der Politik aber auch mit konkreten Gegenbeispielen begegnen. Gerade in den vergangenen Wochen haben wir - nachdem der BBT als Symbol der Verbindung unserer Landesteile endgültig fixiert wurde - auch die Basis dafür gelegt, dass es zu einer "Stromehe" nördlich und südlich des Brenners kommen kann. Ich bin sehr zuversichtlich, dass es keine reine Vernunfthochzeit wird, sondern eine Liebesheirat. Und wer weiß, vielleicht bringt diese Ehe auch reichen Kindersegen in Form weiterer Projekte. Ich - und mit mir mein Landeshauptmann-Kollege Luis Durnwalder - werden jedenfalls alles dafür tun, dass die Rahmenbedingungen dieser Beziehung gedeihlich sind. Als Ziel definieren wir: Innerhalb eines Jahres soll der Zusammenschluss der Stromnetze geschafft werden!

Den rechtlichen Rahmen für unsere Zusammenarbeit in der Europaregion bildet der Europäische Verbund für Territoriale Zusammenarbeit (EVTZ). Wir haben uns hier nicht von den Anlaufschwierigkeiten durch die Bedenken in Rom beirren lassen, sondern sind unseren Weg sehr konsequent weitergegangen, so dass Rom letztlich einlenken musste.

Meine liebe Schützen, meine sehr verehrten Damen und Herren!

Europa ist heute der Rahmen, in dem wir Frieden und Demokratie verteidigen. Europa ist der Rahmen, in dem sich Tirol weiterentwickelt - die nationalstaatlichen Grenzen spielen dabei keine Rolle mehr. Wir werden in diesem Europa immer als selbstbewusstes Land, als selbstbewusste Region, die sich ihrer Wurzeln gewiss ist, auftreten und unsere Anliegen zum Ausdruck bringen!

Denn das, was das Landlibell symbolisiert, bleibt auch heute, nach 500 Jahren unser Auftrag: Der Einsatz für Freiheit und selbstbestimmtes Leben!

Gesprochen von Landeshauptmann Günther Platter am 22. Juni 2011

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Konrad Hermann Joseph Adenauer, (* 5. Januar 1876 in Köln; " 19. April 1967)

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