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Vortrag "Puschtra Buibm, 50 Jahre fern der Heimat"

Kategorie: Südtiroler Schützenbund

Von: SSB - Online Team
Mittwoch, 22. Juni 2011

TAUFERS I.P. - Am Mittwoch, den 22. Juni 2011 veranstaltete die Schützenkompanie Taufers im Bürgersaal von Sand einen Vortrag zum Thema "50 Jahre Feuernacht. Puschtra Buibm - 50 Jahre fern der Heimat“. Der große Saal des Bürgerhauses konnte die Zuhörer kaum fassen, so groß war der Andrang.

Über 300 interessierte Mitbürger konnte Hauptmann Rudolf Oberhuber begrüßen. Eindringlich rief er alle politisch Verantwortlichen auf, sich mit Entschlossenheit endlich für eine Amnestie der "Puschtra Buibm" einzusetzen, die nach 50 Jahren immer noch nicht in die geliebte Heimat kommen können, ohne verhaftet zu werden.

Referent Günther Obwegs begann seine Ausführungen mit einem Filmbericht einer italienischen Wochenschau nach der Feuernacht 1961, wo aus italienscher Sicht über den Kriegszustand in Südtirol berichtet wurde. Nachfolgend umriss er kurz die Geschichte, die zum sogenannten Südtirol Problem führte - vom imperialistischen Angriffskrieg Italiens im Mai 1915 bis nach Ende des 2. Weltkrieges. Ausführlicher legte er dann die alltägliche Situation der 1950er und 1960er Jahre dar: die wirtschaftliche Benachteiligung der Südtiroler, die staatlich geförderte Zuwanderung von Italienern aus dem Süden und immer wieder Schikanen der Polizeiorgane. Durch die Prozesse gegen die "Stieler Gruppe" und die "Pfunderer Buam" wuchs in der Bevölkerung ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit und man erkannte das völlige Ausgeliefertsein an die staatlichen Organe.

Obwegs schilderte die Entstehung des Befreiungsausschuss Südtirol (BAS) mit den verschieden Schwierigkeiten zwischen den einzelnen Gruppen und Aktivisten. Da 1961 dann alle diplomatischen Mittel bereits ausgeschöpft waren und auch die UNO Folgeverhandlungen zwischen Italien und Österreich nicht weiterkamen, sahen die BAS-Aktivisten die Attentate auf Strommasten als letztes Mittel, um auf die Unterdrückung der Südtiroler aufmerksam zu machen. Als Obwegs über die Verhaftungen und die nachfolgenden, menschenverachtenden Folterungen in den Carabinieri Kasernen sprach, spürte man die tiefe Betroffenheit der Zuhörer.

Ausführlich ging Günther Obwegs dann auf die Geschichte der "Puschtra Buibm" ein. Er berichtete über ihre riskante Flucht nach Nordtirol und ihre gezielten Aktionen, die sie immer wieder im Pustertal durchführten. Sie wollten weiter Druck auf die italienische Regierung ausüben, um endlich eine Besserung der Situation in Südtirol zu erreichen. Es war ein Kampf gegen den italienischen Staat. Trotz tausendfacher Polizeipräsenz konnten sie immer wieder zurück ins nördliche Tirol entweichen. Er zeigte auch auf, dass Anschläge und Morde in jener Zeit einfach den "Puschtra Buibm" in die Schuhe geschoben wurden. Durch Veröffentlichungen der letzten Zeit, seien diese nicht mehr haltbar und er forderte die Staatsanwaltschaft auf, diesen neuen Hinweisen nachzugehen um ihre Unschuld festzustellen.

Zum Schluss erinnerte Obwegs daran, dass wir den heutigen wirtschaftlichen Wohlstand den Aktivisten von damals und dem Fleiß dieser Generation zu verdanken haben und nicht nur einzelnen Politikern oder einer Partei. Auch seien die Feuernacht und der Freiheitskampf - zusammen mit den Verhandlungen der Politiker - für das Erreichen der heutigen Autonomie mitentscheidend gewesen. Man dürfe aber nicht vergessen, dass das Ziel der Aktivisten die Selbstbestimmung für Südtirol war. Obwegs ermahnte die Anwesenden, die Heimat als ein hohes Gut zu schätzen und die Tiroler Identität zu bewahren, damit das Leid und die Opfer der Freiheitskämpfer und ihrer Familien nicht umsonst waren.

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