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Vortrag "50 Jahre Feuernacht" in Goldrain

Kategorie: Südtiroler Schützenbund

Von: SSB - Online Team
Freitag, 10. Juni 2011

Dicht gedrängt lauschen die Zuhörer den Ausführungen von Dr. Margareth Lun

GOLDRAIN - Am Donnerstag 9. Juni veranstaltete die Schützenkompanie Goldrain im großen Saal der Feuerwehrhalle einen Vortrag zum Thema 50 Jahre Feuernacht. Der Saal war an diesem Abend voll besetzt. Da der Andrang größer als erwartet war, mussten sogar zusätzliche Stühle aufgestellt werden. Referentin war die renommierte Historikerin Frau Dr. Margareth Lun aus Eppan.

Zu Beginn ihres knapp zweistündigen Vortrages ging sie zunächst auf die Vorgeschichte der Feuernacht ein. Ausführlich wurde über die Motivation und die Beweggründe der Widerstandkämpfer berichtet. Die alltäglichen Schikanen, die wirtschaftliche Benachteiligung und die gesteuerte Zuwanderung aus dem Süden spielten dabei eine große Rolle. Aber auch die Prozesse um die Stieler-Gruppe und die Pfunderer-Buben waren von Bedeutung, da diese der Bevölkerung die eigene Hilflosigkeit vor Augen führten. Die Protestkundgebung auf Schloss Sigmundskron mit 35.000 Teilnehmern war Ausdruck dieses allgemeinen Unbehagens in der Südtiroler Bevölkerung.

Im Anschluss ging die Referentin auf die Geschichte der Anschläge selbst und die darauf folgenden Verhaftungswellen ein. Sichtlich betroffen zeigte sich das Publikum bei der Schilderung der Folterungen, welche die damaligen Häftlinge erdulden mussten. Dies macht auch verständlich, warum die noch nicht inhaftierten Widerstandkämpfer in der Folge von der Maxime des unbewaffneten Kampfes abgingen und zur Waffengewalt griffen.

Dr. Margareth Lun ging auch auf die Hintergründe der Feuernacht im Jahre 1961 ein. Die Mitwisser und Unterstützer in Gesellschaft und Politik wurden ebenso genannt wie die Geldgeber. Die Rolle Österreichs wurde dabei genauso beleuchtet wie jene der SVP und der Amtskirche in Südtirol. Ebenso wurde aufgezeigt, warum Sprengstoff der letzte Ausweg war, nachdem alle friedlichen Mittel über Jahre hinweg versagt hatten.

Zuletzt ging es um den Mailänder Prozess und seine Folgen für die Autonomieverhandlungen. Um nicht zu lebenslänglicher Haft verurteilt zu werden, musste die Männer des BAS im Prozess behaupten, sie hätte nur für die Autonomie gekämpft und nicht für die Selbstbestimmung. Dies geschah auch auf Druck Österreichs, das damit drohte ansonsten die Prozesskosten nicht zu übernehmen. Davon Profitierte wiederum Silvius Magnago mit der SVP, die es verstanden, daraus politisches Kapital für die Autonomieverhandlungen zu schlagen.

Das enorme Fachwissen der Referentin und über hundert historische Bilder ließen die Geschichte von damals wieder lebendig werden. Immer wieder wurde speziell auf die damalige Situation im Vinschgau eingegangen. Das Publikum dankte Frau Dr. Lun ihren überaus interessanten Vortrag mit einem langen und kräftigen Applaus. Nach dem Vortrag blieben viele Zuhörer noch länger im Saal und diskutierten untereinander weiter. Das Publikum ging sichtlich bewegt nach Hause.

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