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Josef Mayr-Nusser: ein Widerstandskämpfer oder ein Märtyrer des Gewissens?

Kategorie: Südtiroler Schützenbund

Von: SSB - Online Team
Montag, 27. Dezember 2010

Josef Mayr-Nusser

BOZEN - Genau vor 100 Jahren, am 27. Dezember 1910, hat Josef Mayr auf dem Nusserhof in Bozen das Licht der Welt erblickt. Der Südtiroler Schützenbund verneigt sich in Ehre und Respekt vor dem Mut dieses Mannes, der den Eid auf die SS verweigerte, weil er ihn nicht mit seinem Gewissen und seiner religiösen Überzeugung vereinbaren konnte.

Josef Mayr-Nusser wurde mit 24 Jahren zum ersten Diözesanjugendführer der Katholischen Jugend des deutschen Anteils der Diözese Trient. 1939 wurde er Mitglied des Andreas-Hofer-Bundes (AHB). Bei der Option entschied er sich für das Dableiben, weil er den Nationalsozialismus aufgrund seiner Kirchenfeindlichkeit ablehnte. Obwohl italienischer Staatsbürger, wurde er 1944 völkerrechtswidrig zur Waffen-SS einberufen und zusammen mit anderen 80 Südtirolern nach Westpreußen gebracht. Mayr-Nusser wäre zwar bereit gewesen den Wehrmachtseid abzulegen, einen Eid auf die SS lehnte er jedoch ab, da dieser auf Adolf Hitler als Person abgelegt werden musste.

Die Entscheidung, den SS-Eid nicht zu schwören, kostete Mayr-Nusser das Leben. Er wurde der Wehrkraftzersetzung angeklagt und interniert. Ende 1944, als die Ostfront immer näher rückte, sollte er in das KZ Dachau überführt werden, doch erlag er noch auf dem Transport am 24. Februar 1945 bei Erlangen einem Hungerödem. 1958 wurden seine sterblichen Überreste nach Lichtenstern am Ritten gebracht, wo sie am Eingang der St. Josefs-Kapelle feierlich beigesetzt wurden.

Es gibt in unserer Geschichte auch andere Persönlichkeiten, die bereit waren, für die unabdingbare Wahrheit zu sterben. Die bekannteste ist sicher Peter Mayr, der Wirt an der Mahr, ein Mitstreiter Andreas Hofers. Dieser hätte sein Leben retten können, wenn er vor dem französischen Kriegsgericht geleugnet hätte, vom Friedenschluss etwas gewusst zu haben. Doch er blieb standhaft und sagte: "Durch eine Lüge erkauf ich mir mein Leben nicht! Ich habe vom Friedenschluss gewusst, es jedoch nicht geglaubt." Peter Mayrs Entscheidung hat Mayr-Nusser nachweislich gekannt und ihn beeindruckt.

Sowohl Peter Mayr als auch Josef Mayr-Nusser ging es bei ihrer Entscheidung wohl weniger um Widerstand gegen eine übermächtige, internationale politische Herrschaft, sondern beide haben ihre Entscheidung auf Leben und Tod für die reine Wahrheit gefällt, aus einer tief religiösen Motivation heraus, letztendlich aber für ihr Seelenheil.

Mayr-Nusser gilt zwar als Südtiroler Leitfigur des Widerstands gegen die NS-Unrechtsherrschaft, doch war Widerstand nicht sein vordergründiges Ziel. Dass ein einzelner mit einer für ihn persönlich so gravierenden Entscheidung politisch nicht das Geringste verändern kann, dessen war sich Mayr-Nusser als kluger, gebildeter, klar denkender Mensch sehr wohl bewusst.

Der Beweis dafür ist der, dass er in keiner Weise versucht hat, für seine Entscheidung zu werben, um auch andere dafür zu gewinnen. Er hat nicht einmal versucht, sich vor den Kameraden zu rechtfertigen, als sie ihn bedrängten, sich diese Eidverweigerung doch noch einmal zu überlegen. Aber ebenso wie für sein Vorbild Thomas Morus kam für ihn ein Scheineid gleich wenig in Frage wie ein Meineid.

Im Gegensatz zu anderen Formen des Widerstands wie Wehrdienstverweigerung und Fahnenflucht gab es für Mayr-Nusser nicht einen einzigen persönlichen Vorteil, im Gegenteil: Er war sich bewusst, dass auf diese Entscheidung mit großer Wahrscheinlichkeit der Tod stand und dass er seine kleine Familie in "zeitliches" Unglück stürzen würde, wie er es in einem Brief an seine Frau Hildegard Straub nennt. Er vertraute aber darauf, dass sie diese seine Gewissensentscheidung verstehen würde.

Wer Mayr-Nusser verstehen möchte, muss wohl über einen engeren, diesseitsorientierten Horizont hinausblicken. Für ihn gab es nicht die persönliche, zurechtgebogene Wahrheit, sondern nur ein Ja und ein Nein, ein Wahr und ein Falsch.

Es gibt nur wenige Menschen, die die schier unglaubliche Kraft aufbringen, dieser Ehrlichkeit ihr Leben zu opfern. Josef Mayr-Nusser gehörte jedenfalls zu diesen.

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Konrad Hermann Joseph Adenauer, (* 5. Januar 1876 in Köln; " 19. April 1967)

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