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Podiumsdiskussion "Südtirol ohne Italien?" in Villanders

Kategorie: Südtiroler Schützenbund

Von: SSB - Online Team
Freitag, 15. Januar 2010

Am Podium (v.l.): Pius Leitner, Sven Knoll, Werner Neubauer, Eberhard Daum, Hermann Gahr, Elmar Pichler Rolle und Sepp Kußtatscher.

VILLANDERS - Am 13. Jänner 2010 fand im Kultursaal von Villanders eine große Podiumsdiskussion zum Thema „Südtirol ohne Italien?“ statt. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Schützenkompanie „Anton von Gasteiger“ Villanders. Die Schützenkompanie „Anton von Gasteiger“ Villanders hat sich im heurigen Gedenkjahr das Ziel gesetzt, die Geschichte und auch die Zukunft Südtirols in den Mittelpunkt zu stellen. Es wurde die Sonderausstellung „Heimat 1809-2009“ im Sommer organisiert sowie die Namensgebung der Kompanie anlässlich ihres Hauptmannes von 1809 mit einem eigens komponierten Marsch begangen. Außerdem fand am 07. Jänner 2010 die Buchvorstellung „Für die Heimat kein Opfer zu schwer“ ganz im Zeichen des Freiheitskampfes der 60er Jahre statt.

Die Podiumsdiskussion stellte nun sicherlich einen weiteren Höhepunkt der regen Tätigkeit der Villanderer Schützen dar. Zum Thema „Südtirol ohne Italien?“ wurden folgende Diskussionsteilnehmer eingeladen:

  • Hermann Gahr, Südtirolsprecher der ÖVP im Österreichischen Nationalrat;
  • Werner Neubauer, FPÖ;
  • Elmar Pichler-Rolle, Fraktionsvorsitzender der Südtiroler Volkspartei;
  • Pius Leitner, Landtagsabgeordneter und Obmann der Freiheitlichen Partei;
  • Sven Knoll, Landtagsabgeordneter der Südtiroler Freiheit;
  • Sepp Kusstatscher, Sprecher der Grünen.

Moderiert wurde der Abend von Eberhard Daum.

Nachdem Hauptmann Hannes Rabensteiner die Anwesenden begrüßte, wollte der Moderator Eberhard Daum von den Politikern wissen, wie sie sich die Zukunft vorstellen:

Werner Neubaurer erklärte, dass die FPÖ seit 1949 das Thema „Südtirol“ in ihrem Programm hat und dass die Politik Akzente setzen soll in Richtung Selbstbestimmung und doppelter Staatsbürgerschaft.

Hermann Gahr ist seit 2 Jahr Südtirolsprecher in seiner Fraktion. Anlässlich des Landesfestumzuges von 1984 wurde versucht, anhand von Partnerschaften zwischen Nord-, Ost- und Südtirol mehr Bewegung zu erzielen. Sei es im Bereich der Wirtschaft sowie auch der Arbeit. Sein Ziel ist sicher die Europaregion Tirol und der Schutz des Lebensraumes.

Elmar Pichler-Rolle sprach sich für die Selbstbestimmung aus und dass in Zukunft die Nationalstaaten an Gewicht verlieren werden, die Regierungen Kompetenzen abgeben werden und der europäische Weg der richtige sei.

Sven Knoll erinnerte mit einem Zitat an den Fall der Berliner Mauer, wo die Politiker dies als unmöglich bezeichnet hatten. Die Geschichte hat es gezeigt, dass keine Minderheit auf die Dauer in einem fremden Staat sich wohl fühlt und aus diesem Grund steht die Selbstbestimmung an erster Stelle. Er wies auch darauf hin, dass sicher ein jeder schon Erfahrungen gemacht hat, wo das Recht auf die deutsche Sprache nicht galt: z.B. bei öffentlichen Ämtern oder bei den Ordnungshütern.

Sepp Kusstatscher wies darauf hin, dass man beachten müsse, welche Interessen wirklich vertreten werden, es ist Aufgabe der Politik zuerst die Gesetzeslage und die Frage der Machbarkeit zu überprüfen. Er zitierte Silvius Magnago, der einst sagte, dass wenn man eine Lostrennung wolle, es einen Krieg bräuchte. Man müsse sehr kritisch und verantwortungsvoll mit diesem Thema umgehen. Man solle keine neuen Grenzen aufbauen, sondern Grenzen abbauen und friedlich in Europa zusammenleben.

Pius Leitner begann seine Ansichten mit einem Zitat von Nietzsche, der sagte: „Wehe dem, der keine Heimat hat!“ In diesem Gedenkjahr wurde Andreas Hofer sehr wissenschaftlich durchleuchtet, doch fehlten eindeutig die Zukunftsperspektiven für die Jugend. Es sei Aufgabe der Politik die Probleme der Menschen vor Ort zu lösen und deshalb fordern die Freiheitlichen den Freistaat.

Nachdem die Runde eröffnet wurde, konnten die Anwesenden Fragen an die Politiker stellen:

Thema Patriotismus:

Werner Neubauer meinte, dass Patriotismus nicht gleich Patriotismus ist und dass Patriotismus mit Faschismus verwechselt würde. Aber es gibt sehr wohl eine Grenze und diese Grenze ist am Brenner.

Hermann Gahr hätte auch den Titel „Südtirol mit Österreich?“ als guten Titel für die Veranstaltung gefunden. Südtirol ist seit 90 Jahren zu Unrecht abgetrennt und natürlich herrscht ein Wechselbad zwischen Recht und Unrecht und es ist ein Auftrag sich gegen Unrecht zu wehren.

Pius Leitner nahm zum Thema Patriotismus mit einem Zitat Stellung: „Das Vaterland des Anderen achte, das eigene aber liebe.“ Deshalb ist es ein Recht das eigene Vaterland zu verteidigen und die Verantwortung für dieses Land zu übernehmen.

Elmar Pichler-Rolle sprach von unterschiedlichen Gesellschaften die sich entwickelt haben, vielleicht ist zum Teil auch die Autonomie Schuld, wenn man dies sehr kritisch betrachten will. Er ist für eine Politik, die Schritt für Schritt gemacht wird.

Thema doppelte Staatsbürgerschaft:

Hermann Gahr meint dazu, dass zuerst die rechtliche Grundlage geprüft werden müsse und wenn es dazu beiträgt, das Recht der Tiroler zu fördern ist es für ihn in Ordnung.

Werner Neubauer sagte, dass es für die SVP kein Problem gibt und dass sogar eine Unterschriftenaktion geplant sei. Also ein guter Vorläufer für die Selbstbestimmung.

Pius Leitner erklärte, dass die SVP die Schutzmachtverankerung abgelehnt hat.

Sven Knoll sagte, dass ein Großteil der Menschen in der EU die doppelte Staatsbürgerschaft bereits hat.

Abschlussrunde:

Werner Neubauer sagte, dass am 17. und 18. Februar 2010 eine Fachtagung zum Thema Südtirol stattfinden wird, wo viele Experten die rechtlichen Fragen klären und die politischen Weichen für die Zukunft gestellt werden. Sollte die FPÖ zu Verhandlungen bei einer Mitregierung gebeten werden, so wird Südtirol sicher der Knackpunkt bei den Verhandlungen sein.

Sven Knoll sagte, dass 90 Jahre zugeschaut wurde, wie sich die politische Entwicklung ergibt. Die jungen Leute hinterfragen kritisch und das ist auch gut so. Aus diesem Grund muss gehandelt werden und die Selbstbestimmung verwirklicht werden.

Hermann Gahr wird sich weiterhin für die Belange Südtirols positiv einbringen.

Elmar Pichler-Rolle ist wie gesagt für die Politik der kleinen Schritte, denn diese lohnt sich immer und ersucht um ein bisschen mehr Toleranz. Südtirol soll einzigartig bleiben.

Pius Leitner zitierte abschließend John F. Kennedy: „Frage nicht was die Heimat für dich tun kann, sondern was du für die Heimat tun kannst“.

Sepp Kusstatscher appellierte an den gegenseitigen Respekt der Kulturen und dass die Forderungen in Südtirol falsche Hoffnungen erwecken. Wir müssen Verantwortung für unsere vielfältigen Kulturen übernehmen.

Abschließend dankte Hauptmann Hannes Rabensteiner den mitwirkenden Politikern und den Anwesenden für die rege Teilnahme an der Diskussion. Er persönlich würde sich mehr Mitspracherecht für die Bevölkerung von Seiten der Politiker wünschen.

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