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Bericht zur Sepp-Kerschbaumer-Gedenkfeier

Kategorie: Südtiroler Schützenbund, Schützen

Von: SSB - Redaktion
Mittwoch, 09. Dezember 2009

ST. PAULS  - An die 1.500 Schützen, zahlreiche Vertreter des Südtiroler Heimatbundes, der Politik und viele Zivilpersonen haben auch heuer trotz strömenden Regens an der Kerschbaumer-Gedenkfeier in St. Pauls/Eppan teilgenommen.

Nach der Frontabschreitung in der Paulsnerstraße durch LKdt. Paul Bacher (SSB), Sepp Mitterhofer (SHB) und Altlandesrat Sepp Mayr sowie Mjr. Hermann Huber (GTSB), Mjr. Otto Sarnthein (BTSK) und Mjr. Carlo Cadrobbi (WTSB) erfolgten der Abmarsch und der Einzug in die Pfarrkirche von St. Pauls. Dort zelebrierte Pater Reinald Romaner OFM die Heilige Messe in Gedenken an all jene, die für die Freiheit der Heimat ihr Leben lassen mussten. Pater Reinald Romaner unterstrich, dass die Verantwortung für die Heimat bei allen liege und dass Tugenden wie Treue, Heimatliebe und Väterglauben nicht nur als innere Werte zu verstehen seien, sondern dass sie auch nach außen gezeigt werden müssten.

Aufgrund des Regenwetters fand heuer auch der zweite Teil der Sepp-Kerschbaumer-Gedenkfeier in der Pfarrkirche statt. Dort begrüßte Sepp Mitterhofer, der Obmann des Südtiroler Heimatbundes, alle Anwesenden. In seiner Rede erinnerte er daran, dass den Südtirolern nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges das Selbstbestimmungsrecht verwehrt worden war. Dafür sei als schwacher Ersatz das Gruber-Degasperi-Abkommen ausgehandelt worden. Diese Autonomie habe nun aber ausgedient, sie sei tot und schon jahrelang rückläufig, wie ein namhafter Völkerrechtler und Parlamentarier (Karl Zeller, Anm.d.Red.) im Frühjahr dieses Jahres erklärt habe. Der Obmann des Südtiroler Heimatbundes zeigte sich empört darüber, dass die Mitglieder der Arbeitsgruppe für Selbstbestimmung von einigen Personen als Aufhetzer hingestellt worden seien, obwohl es sich ausschließlich um Männer und Frauen handle, welche sich schon seit Jahrzehnten, zum größten Teil ehrenamtlich, für die Rechte der Heimat einsetzten und auch große Opfer gebracht hätten.

>>> Die Ansprache von Sepp Mitterhofer steht hier vollinhaltlich zur Verfügung.

Alt-Landesrat Sepp Mayr

Die Gedenkansprache hielt Sepp Mayr, der von 1968 bis 1998 Landtagsabgeordneter, und davon von 1974 bis 1998 Landesrat war. Sepp Mayr hatte den Freiheitskämpfer Sepp Kerschbaumer persönlich gekannt, da er von 1952 bis 1956 mit ihm gemeinsam im ersten frei gewählten Gemeinderat von Eppan gesessen war. Mayr würdigte Kerschbaumer als einen tief religiösen, politisch denkenden und fühlenden Menschen, dessen volkstumspolitischer Einsatz enorm war. Kerschbaumer stand immer zu dem, was er machte, so Sepp Mayr. Das habe heute viel zu bedeuten. Kerschbaumer war ein Mensch, der nie weiter als bis zur Sachbeschädigung gegangen war, um auf die politische Situation in Südtirol aufmerksam zu machen. Wie viele andere Freiheitskämpfer wurde auch er brutal gefoltert, aber bis heute wurde noch nie und von keiner offiziellen Seite für die Folterungen um Entschuldigung gebeten.

In seiner Gedenkansprache warf Mayr auch einen kurzen Rückblick auf das Gedenkjahr 2009. Er unterstrich dabei, dass viel Gutes für die Zukunft und die Jugend des Landes geleistet worden war und sprach den dafür Verantwortlichen seinen Dank aus. Zugleich wies er aber auch darauf hin, dass es weder 1959 noch 1984 derart unangemessene Worte von Seiten der Politiker gegeben habe. Heimatbewusste Menschen als Zündler und Ewiggestrige zu bezeichnen, sei einfach unzulässig. Jene Politiker sollten sich dafür entschuldigen, und die Entschuldigung sollte angenommen werden.

Aufhorchen ließ Sepp Mayr vor allem mit seinem Vorschlag, dass ein überparteiliches Komitee mit Vertretern aller drei Sprachgruppen gegründet werden müsse, die in einem persönlichen Gespräch mit dem italienischen Staatspräsidenten einen Appell zur Begnadigung der Pusterer Buabm vorbringen sollten. Diese unkonventionelle Methode könne den Stillstand in dieser Sache überwinden und sei gerade jetzt, da neue Erkenntnisse über die Attentate ans Tageslicht gekommen seien, notwendig.

Altlandesrat Sepp Mayr beendete seine Rede mit dem Spruch:

Die Fahne allein genügt nicht, es braucht Männer, die sie tragen.
Die Wahrheit allein genügt nicht, es braucht Männer, die sie sagen.
Die Freiheiten, die für uns am Himmel hängen, genügen nicht,
es braucht Männer, die sie herunter holen.

>>>Die Gedenkansprache von Altlandesrat Sepp Mayr steht hier vollinhaltlich zur Verfügung.

Abschließend fand auf dem Friedhof von St. Pauls die Kranzniederlegung für Sepp Kerschbaumer und seine Mitstreiter Franz Höfler, Anton Gostner, Luis Amplatz, Jörg Klotz und Kurt Welser statt. Die Ehrensalve feuerte die Ehrenkompanie "Sepp Kerschbaumer" Eppan ab.

Rede Sepp Mayr

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