Podiumsdiskussion "Faschismus im 3. Jahrtausend"
Kategorie: Südtiroler Schützenbund, Schützen, Bundesleitung
Von: SSB - Redaktion
Freitag, 03. Juli 2009
BRUNECK - Im Anschluss an die Großkundgebung des Südtiroler Schützenbundes vom 25. April 2009 fand eine auf eine Stunde Dauer begrenzte Podiumsdiskussion über den "Faschismus im dritten Jahrtausend" statt. Ursprünglich war geplant, die Diskussion auf eine Leinwand auf dem Parkplatz hinter dem Pacherhaus zu übertragen, um allen 6.000 Teilnehmern die Verfolgung der Diskussion zu ermöglichen. Dies wurde jedoch vom Quästor Piero Innocenti untersagt. Aus diesem Grund stellt der Südtiroler Schützenbund die Podiumsdiskussion nun in einem Video online.
Die Teilnehmer mussten vor Beginn der Diskussion - jeder hatte sich schon am Rathausplatz eine Nummer gut sichtbar aufkleben müssen - anstatt des direkten Weges vom Rathaus zum Kapuzinerplatz einen Umweg zum Hintereingang des Pacherhauses gehen, damit niemand auch nur in die Nähe des Alpini-Denkmals gelangen konnte.
Auch wurde die Teilnehmerzahl auf 280 Personen beschränkt, obwohl im Pacher-Saal an die 600 Personen Platz haben. Diese und andere unsinnige Anordnungen wurden bis zum letzten Buchstaben umgesetzt: massives Polizeiaufgebot, großräumige Absperrungen und umfangreiche Straßensperren.
Im Michael-Pacher-Haus unterstrichen die Historikerin Dr. Margareth Lun , Freiheitskämpfer Prof. Günther Andergassen und der Bundesgeschäftsführer des Südtiroler Schützenbund es Elmar Thaler, dass das Alpini-Denkmal auch heute ein den Abessinienkrieg verherrlichendes Denkmal sei und damit im dritten Jahrtausend keine Berechtigung habe. "Damals passierten Kriegsverbrechen, die aber nie geahndet wurden. Italien hat es verabsäumt, sich mit diesem Krieg auseinanderzusetzen", brachte es Lun auf den Punkt. Der Abessinienkrieg müsste der Bevölkerung mit all seinen Folgen mehr bekannt gemacht werden, forderten Lun und Andergassen. Die Diskussion wurde von Alfred Mair moderiert.
Mehrmals betont wurde auch, dass die gesamte Veranstaltung nie gegen die Italiener in Südtirol gerichtet war. Dies habe er verstanden und darum sei er stolz, an der Diskussion teilnehmen zu dürfen, sagte Bozens Bürgermeister Luigi Spagnolli. Er schäme sich für das, was die Italiener im Krieg getan hätten, so Spagnolli weiter. Die Denkmäler in Bozen und Bruneck müssten aber bleiben, um die heutigen und die künftigen Generationen an die dunkle Seite der Geschichte zu erinnern und sie zu mahnen, dass es nie mehr soweit kommen dürfe.
Brunecks Bürgermeister Christian Tschurtschenthaler, der sich bei den Schützen für den erwartungsgemäß disziplinierten, ruhigen und geordneten Ablauf der Veranstaltung bedankte, plädierte für den Erhalt des Alpini-Denkmals in seiner heutigen Form. Das Denkmal, wie es heute stehe, könne sogar als Zeichen für die Niederlage des Faschismus gewertet werden, sagte Tschurtschenthaler.
Das wiederum wollte Elmar Thaler so nicht gelten lassen. "Allein mit Schönreden verändert sich nichts. Wir müssen den Tatsachen ins Auge blicken und die Dinge wieder offen beim Namen nennen", plädierte er für mehr Zivilcourage. Der "Wastl" sei ein faschistisches Denkmal und gehöre - genauso wie das Siegesdenkmal in Bozen - so schnell wie möglich von den Plätzen geschafft. "So manifestiert sich nämlich auch Faschismus", meinte Thaler.
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